Modellbahn-Community.net - Lexikon
Arbeit und Leben im Bahnbetriebswerk
Eines
der beliebtesten Szenen auf einer Modellbahn ist die Darstellung eines
Bahnbetriebswerkes, aber die wenigsten machen sich Gedanken darüber,
wie eigentlich das Leben in einem BW war.
Viele bezeichnen das Leben bei der deutschen Eisenbahn als ein
Leben in der Knochenmühle. Das gilt sowohl für Ausbesserungswerke, als
auch für Bahnbetriebswerke.
Der Mensch war nichts anderes als ein kleines Rädchen im Getriebe
eines mehr oder weniger gut durchorganisierten Betriebes. Wie viele
anderen Räder, waren jeder mehr oder weniger ersetzbar.
Die Lokomotivbesatzung galt als die Elite, Lokführer zu sein ist
damals so wie heute ein Traumjob für viele jungen Männer (heute
natürlich auch für Frauen).
Aber neben dieser Elitetruppe gab es natürlich auch eine Reihe von
Jobs für niedere Tätigkeiten. Somit setzt sich der Alltag in einem BW
meistens aus banalen und zweitrangigen Tätigkeiten zusammen.
Daneben gab es natürlich in den Bürotrakten auch penibel, korrekte
Beamte, den schließlich mussten die Tätigkeiten auch organisiert
werden.
Doch die eigentlichen Aufgaben blieben den produktiv arbeitenden Menschen obliegen.
Diese Arbeit war ein schmutziges Geschäft. Die Arbeitssachen waren
schon nach einigen Tagen so stark verschmutzt, das der Arbeitsanzug im
Kleiderschrank aufrecht stehen blieb.
Aber im Kraftaufwand unterschieden sich die Arbeiten von relativ
leichter bis hin zur komplizierten Bedienung von Maschinen bis hin zu
körperlich harter und anstrengender Arbeit mit schwerem Werkzeug. Aber
alles hatte eines gemeinsam; die Tätigkeiten waren monoton und stupide.
Jeder, der dieser Monotonie über die Jahre hinaus ausgesetzt war,
stumpfte mit der Zeit ab. Besonders anfällig für Stumpfsinn und
Resignation waren die einfachen Hilfsarbeiter. Zu ihnen gehörten die
Leute, die mit Ausschlacken und Lösche ziehen beschäftigt waren. Zu
ihnen ließ sich das Lokpersonal selten herab.
Kleinste Unregelmäßigkeiten lockerten das triste Alltagsleben auf.
Pausen ließen kaum Zeit für den Verzehr einer Butterstulle. Die
Mittagspause war die Möglichkeit in der Kantine eine kurze Mahlzeit
einzunehmen, zu plauschen oder eine Runde Skat zu spielen. Hier kamen
sie alle zusammen, die Arbeiter und die Bürohengste, wenn auch im
gebührenden Abstand. Hier spiegelte sich die Anonymität der Großstadt
im Kleinen wider, den der Nachbar konnte schon ein Fremder sein.
Die Arbeit in einem BW bedeutete natürlich auch Schichtbetrieb, ob Sonn- oder Feiertags.
Dennoch unterschied sich das Leben in einer kleinen Lokstation oder einem kleinen BW von dem in einem großen BW.
In den kleinen BW’s oder den Lokstationen war Hektik und Stress ein
Fremdwort. Klar war die Arbeit hart, aber auf ihre Art eben angenehmer.
In einer Lokstation bewirtschaften Lokführer und Heizer ihre
Maschine selbst. Es gibt keine Mannschaft, die sich um das Fahrzeug
kümmern, der Lokbesatzung wirklich hilfreich unter die Arme greifen.
Hier und da wird sicher geholfen, aber die Lokbesatzung muss fest mit
anpacken.
Nachdem also nach getaner Arbeit die Maschine das kleine BW
erreicht hat, wird erst mal am Kohlebunker, oder treffender
Kohlebansen, halt gemacht. Hier wird noch mit Kohlehunte beladen. Diese
hat der BW-Arbeiter im Laufe des Tages bereits gefüllt. Mittels eines
Kranes, der in einer Lokstation meist von Hand betätigt wird, wird nun
der Tender befüllt. Hier muss die Lokbesatzung fest mit anpacken und
auf die Lok klettern. Bei Handbetrieb kann das Beladen schon eine
schweißtreibende Angelegenheit sein. Kohlestaub tut sein übriges. Wer
bisher nicht schwarz war, der wird es jetzt sein. Daneben fallende
Kohle wird sorgfältig aufgesammelt und die Tenderbleche und Führerhaus
ab- und ausgefegt.
Danach wird vorgezogen zum Wasserfassen und Entschlacken.
Auch dies ist Aufgabe des Lokpersonals. Also, rauf auf die Lok,
Wasserkasten auf, Wasserkran rangeschwenkt und Wasser marsch. Das
Befüllen dauert schon einige Zeit, deshalb beginnt der Heizer bereits
mit dem Entschlacken. Hierzu wird die noch vorhandene glühende Kohle in
eine Ecke geschoben und anschließend mit dem Schürhaken der Rost
gesäubert. Die zwischen das Gleis fallende Asche wird dann am spät
Abends oder am nächsten Tag aus der Grube geschippt. Auch die Lösche
wird jetzt gezogen. Alles in allem eine sehr staubige Angelegenheit.
Hierzu wird die Rauchkammertür geöffnet und die Lösche, angesammelte
Rauchpartikel, entweder gleich in eine Karre oder auf einen Haufen
neben dem Gleis geschaufelt.
Anschließend wird die Rauchkammertür geschlossen, der Wasserkran
weggeschwenkt, der Aschkasten geschlossen und ein Ruhefeuer angelegt
und anschließend in den Lokschuppen gefahren.
Hier wird unter Funzelbeleuchtung die Maschine gecheckt und
Abgeschmiert. Die Ölvorräte für die Lok werden auch aufgefrischt und
das Mängelbuch für die Maschine geführt. Danach ist Feierabend.
Gemeinsam nehmen sie, der Lokführer und der Heizer, noch eine Mahlzeit
ein, schlürfen einen Kaffee. Anschließend machen sie sich frisch und
beziehen im Schlafraum ihre Betten. Der Wecker wird gestellt, denn in
der halben Nacht heißt es für sie früh aufstehen.
In einem Groß-BW sieht der Ablauf fast genau so aus, nur gibt es hier eine BW-Mannschaft, die sich um all die Arbeiten kümmert.
Nach abkoppeln der Lok fährt diese entsprechend vorhandener
Verordnungen und auf Weisung des Stellwerkpersonals zum BW. Der
Lokführer muss mit den örtlichen Begebenheiten bestens vertraut sein.
Auf dem Wartegleis zum BW meldet sich der Lokführer an einer
Sprechsäule bei der Lokleitung. Diese Meldestelle ist bei jedem BW
woanders.
Gemeldet wird unter anderem Loknummer, Heimatdienststelle, Zug-
oder Lz-Nummer, seid der letzten Fristarbeit geleisteten Betriebstage,
Unregelmäßigkeiten. Aus den Unterlagen der Lokdienstleiters ist jetzt
erkenntlich was nach der Behandlung der Lok geschieht, also ob sie im
Schuppen abgestellt wird oder ob sie danach wieder zum Bahnhof
überführt wird.
Ab hier kann sich die Reihenfolge der Behandlungsmaßnahmen unterscheiden.
Zum Beispiel könnte die Lokbesatzung jetzt zu den
Untersuchungsgruben vorziehen und ihre Maschine checken. Festgestellte
Mängel werden in das Mängelbuch eingeschrieben.
Es könnte aber auch sein. Das hier schon die Besandunganlage
steht, obwohl das Besanden in der Regel nach dem Wasserfassen und
Entschlacken geschieht.
Oder es wird gleich zur Bekohlungsanlage vorgezogen.
Hier kann schon unter Umständen Feierabend für das Lokpersonal sein, und die Maschine dem BW-Personal übergeben werden.
Hier an der Bekohlungsanlage kann es durchaus zu Wartezeiten
kommen, denn unter Umständen warten dort schon Maschine auf ihren
„Treibstoff“. In der Zwischenzeit können schon die ersten
Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden, wie z.B. öffnen des
Abschlammventils oder des nach vorne Schaufelns alter hinten im
Schlepptender liegengebliebener alter Kohle, usw.
Unter dem Kohlebunker wird die Maschine gegen unbeabsichtigtes
wegrollen gesichert. Der Bekohlungsvorgang wird überwacht, da ein
Überladen des Tenders auf jeden Fall vermieden werden muss. Die
maximale Kohlemenge kann am Tender abgelesen werden. In einem
Kohleausgabezettel wird die angeforderte Menge Kohle quittiert. Der
Heizer wird immer bemüht sein Kohle zu sparen. Nach dem Bekohlen werden
Laufbleche und Fußtritte gesäubert.
Anschließend heißt es Lösche ziehen und Entschlacken. Hierzu
öffnet ein Ausschlacker die Rauchkammertür, nässt die Asche und
schaufelt sie in die Löschegrube. Auch hier wird jetzt entschlackt,
wozu das Restfeuer wieder in eine Ecke geschoben wird. Die restliche
Schlacke wird vom Rost gelöst und das Kipprost geöffnet. Jetzt fällt
die Schlacke in eine mit Wasser gefüllte Schlackegrube. Da das
Entschlacken schon einige Minuten dauert, wird gleichzeitig Wasser
aufgenommen. Hierfür ist das Schlackenpersonal zuständig. Da das Wasser
in den BW’s unterschiedliche Härtegrade besitzt, wird dem Wasser Soda
nach Angaben, die sich auf einer Tafel am Wasserkran oder in dessen
Nähe befindet, zugegeben.
Anschießend fährt die Lok zum Besanden, wenn dies nicht bereits
geschehen ist. Hierzu wird unter den Sandturm gefahren. Das Personal
klettert auf den Kassel und öffnet den Sanddom. Ein Betriebsarbeiter
reicht jetzt das Sandfallrohr. Jetzt wird ein Auslösehebel betätigt und
der Sand rutscht in den Behälter. Es wird peinlichst darauf geachtet,
das kein Sand auf die Gleitbahnen des Treibwerkes gelangt.
Jetzt wird kann zur Drehscheibe vorgezogen werden. Ein kurzer
Pfiff mit dir Lokpfeife signalisiert dem Drehscheibenwärter. Ich möchte
auf die Drehscheiben. Der Drehscheibenwärter dreht die Scheibe zum
Auffahrgleis und verriegelt die Drehscheibe. Durch ein Winkzeichen oder
ein mit der Verriegelung verbundenes Signal signalisiert dem Lokführer,
das er jetzt die Drehscheibe befahren kann. Langsam wird auf die
Drehscheibe gefahren und dem Drehscheibenwärter mitgeteilt, in welches
Schuppengleis er fahren soll. Diese Angabe hat der Lokführer durch die
Lokleitung erfahren. Jetzt verlässt die Lok wieder die Drehscheibe und
kommt punktgenau im Schuppen unter dem Rauchabzug zum Stehen. Nun wird
der Tender mit der Wurfhebebremse festgestellt, die Zylinderventile und
Druckausgleicher geöffnet und der Aschkasten geschlossen. Die Ölvorräte
werden ergänzt und kleinere Schäden behoben. Sollten umfangreichere
Reparaturen anfallen, muss ein Ausbesserungszettel ausgefüllt werden.
Um das Ruhefeuer kümmert sich ein Feuermann. Er klettert von Lok zu
Lok, schaut nach dem Feuer, wirft gegebenenfalls Kohlen nach, schaut
nach dem Wasserstand und füllt gegebenenfalls Wasser nach.
Quellen: EK-Spezial Nr.19, 24,34