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Bahnbetriebswerk
Das Bahnbetriebswerk, kurz auch BW genannt ist aus dem Zeitalter der Dampfloks nicht wegzudenken. Auch heute noch sind BW's nicht wegzudenken und unverzichtbar.
Jeder größere Bahnhof hatte und hat auch heute noch ein BW. Viele BW's aus alter Zeit wurden aus Kosten und Personalgründen geschlossen. Viele dieser ehemaligen BW's wurden dann von Eisenbahnfreunde und Museen erhalten, wie das BW auf dem Bild hier.
Zweck eines BW's war es, die für den Fahrbetrieb erforderlichen Lokomotiven rechtzeitig und leistungsfähig den Betrieb zuzuführen und die zurückkehrenden Lokomotiven wieder betriebsfähig herzustellen. Somit hatte jede Lok einen Heimatbahnhof oder Heimat-BW. Das war und ist auch auf Schildern am Fahrzeug ersichtlich.
Heute sind in der Regel die BW's nicht mehr so groß, mit Ausnahme der ICE-BW's, mit Hallenlängen über 800 m. Aber zur Zeit der Dampfloks, waren eine Reihe von Einrichtungen notwendig.
Jede Dampflok, die aus einem Einsatz ins BW zurückkam, durchlief eine Reihe festgelegter Behandlungsabläufe. So war das BW nach diesen Behandlungsabläufen auch aufgebaut, ähnlich wie am Fließband.
Zuerst wurde die Lok auf allgemeine Schäden überprüft, auf so genannten Untersuchungsgruben. Solche Gruben gab es auch in den Lokschuppen. Es handelt sich um Schäden die durch das Lokpersonal gemeldet wurden aber auch nicht offensichtliche Mängel.
Danach wurde der Tender mit Kohle befüllt.
Danach kam eine nicht angenehme Behandlung. Schlacke wurde aus der Feuerbüchse entfernt. Die so genannte "Lösche", das sind Kohleteilchen und Russpartikel, mussten aus dem vorderen Kesselbereich hinter der Rauchkammertür geschaufelt werden. Dies geschah über der Löschegrube, die sich meist gleich anschließend an der Bekohlungsanlage befand. Die Löschegrube war mit Wasser gefüllt.
Ähnlich aufgebaut war auch die Schlackegrube, die die Schlacke, die sich unterhalb der Feuerbüchse einer Lok sammelt, aufnimmt.
Die Dampflok braucht zur Dampferzeugung bekanntlich auch Wasser. Dieser Wasservorrat musste auch ergänzt werden. Dazu fuhr die Lok zum Wasserkran. Dieser Wasserkran bekam wiederum sein Wasser aus dem Wasserturm, einem charakteristischem Bauwerk des BW.
Jede Lok, auch heute noch, selbst der ICE, besitzt Sandbehälter, nur mit dem Unterschied dass sich der Sandbehälter bei der Dampflok auf dem Kessel befindet und bei den moderneren Fahrzeugen unten am Lokrahmen oder Drehgestell. Diese mussten auch neu befüllt werden. Dies erfolgte in der Besandungsanlage.
Jenachdem ob die Lok einem neuen Einsatz zugeteilt wurde oder nicht, wurde sie auf freie Gleise oder im Lokschuppen abgestellt. Größere BW's hatten hier für eine Drehscheibe, die die Loks in die Richtung der Lokschuppeneinfahrten drehte. Aber diese Drehscheibe wurde auch benutzt, um Loks nur zu drehen, wenn der nächste Einsatz es erforderte, den Zug in die Gegenrichtung zu ziehen, damit die Lok nicht Tender voran laufen mußte. Neben den Drehscheiben, die Größten befinden sich in den USA zum drehen der gewaltigen Big Boy, gibt es aber auch Schiebebühnen, die heute vorwiegend im Einsatz sind. Kleine BW's haben solche Vorrichtungen nicht, da die Lokschuppen nur 2 bis 4 Stände hatten.
Neben diesen Anlagen gibt es im BW noch Verwaltungs- und Bürogebäude, Werkstätten, Lager- und Nebengebäude und Abstellgleise für Hilfszüge und Sonderwagen.
Ein BW war eine Stadt für sich und so ist es auch nicht verwunderlich, dass dort auch über 1000 Angestellte tätig sein konnten. Und dies rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.
Das Personal eines BW konnte jeden Loktyp von der Sache her reparieren. dennoch waren die BW's in der Regel spezialisiert auf einen Loktyp, also Schnellzug- und Personenzuglokomotiven oder Güterzuglokomotiven. Das galt besonders dann, wenn in einem Einzugsbereich mehrere BW's vorhanden waren.
Außer den normalen Aufgaben eines BW, konnten auch mittlere Reparaturen dort ausgeführt werden, z.B. Fahrgestellteile austauschen, Radlager gießen kesselrohre wechseln, Generatoren und Pumpen wechseln. Für größere Reparaturen, die es erforderlich machten Lokomotive zum Teil oder komplett zu demontieren, waren so genannte RAW's zuständig, die in etwa dem Aufbau eines BW entsprachen, aber darüber der Technologie hatten, die eher einer Fertigungsstätte entsprachen. Hier wurden auch die Kesselfristen verlängert, also sozusagen der TÜV durchgeführt, komplette Kessel erneuert, Radsätze ausgetauscht und überholt und Arbeiten an den Fahrzeugrahmen durchgeführt. Sie hatten demnach wesentlich größere Werkstätten und Hallen.