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Drehscheiben
Schon seid dem Anfang der Eisenbahnzeit gab es Drehscheiben. Sie waren
meistens im geschützten Bahnhofsgebäude untergebracht und wurden
deshalb auch Bahnhofsdrehscheiben genannt. Hauptsächlich, wie sollte es
auch anders sein, wurden sie zum wenden von Schlepptenderlokomotiven
benötigt, da sie konstruktiv bedingt in den Anfangsjahren Schlot, Kamin
oder auch Schornstein voraus schneller liefen. Aber auch wegen der
Rauchbelästigung der Passagiere achtete man darauf, das der Schornstein
vorne lief, denn Wendezüge gab es ja noch nicht.
Die Drehscheiben übernahmen in der Anfangszeit aber noch eine
weitere Aufgabe, dem Verteilen von Wagen, deshalb gab es Bahnhöfe mit
bis zu zehn und mehr kleinen Drehscheiben.
Doch bald verschwanden die alten Bahnhofsanlagen, weil der
Personen- und Güterverkehr zunahm, mit samt den kleinen Drehscheiben,
die sowieso die immer größer und schwerer werdenden Lokomotiven nicht
mehr tragen konnten, und wurden ins Freie verbannt, in die BWs.
Funktion und Aufbau:
Grundsätzlich bestehen Drehscheiben aus folgenden Baugruppen: Grube
mit Untersuchungskanal, Königsstuhl, Laufschiene, Hauptträger mit
Fahrschienen, Laufwerk, Antrieb und Sicherungseinrichtung.
Die Drehscheibengruben, kurz Grube, gab es in den mannigfaltigsten Ausführungen.
Anfangs wurden die Einfassungen, die das Laufwerk auf einem
Vorsprung trug, gemauert. Die Innenfläche war dann mit Schotter oder
Kies aufgefüllt, mit Plastersteinen ausgelegt, asphaltiert oder
zementiert.
Ab den 20iger Jahren wurden dann die Gesamte Grube mit Fundamenten
für den Königsstuhl und den Laufschienen zementiert oder betoniert. Es
gab aber auch Ausführungen, bei denen nur die Fundamente betoniert
wurden und die Flächen dazwischen geschottert oder mit Ziegel
gepflastert wurden. Eines hatten sie aber gemeinsam; zum Königsstuhl
fielen diese Gruben trichterförmig oder zum Laufkranz kegelförmig ab,
um das Regenwasser abzuleiten. Die Untersuchungsgrube konnte dann nur
in trockenen Zeiten begangen werden.
Auf dem Königsstuhl ruhte der Hauptträger mit Laufschienen, Antrieb und Sicherungseinrichtung.
Der Hauptträger bestand anfangs aus zwei Blechseitenträgern die
durch drei Querträgern und zusätzlichen Querstreben, die als
Versteifungen dienten.
Diese Bauart hatte aber den entschiedenen Nachteil, das die
gesamten Kräfte auf dem Königsstuhl lagen, bei entlasteter Bühne waren
zwischen Laufräder und Laufschiene einige Millimeter Luft. Vier Räder
trugen neben dem Königsstuhl die gesamte Last.
Dieser große Last, die zum Großteil auf dem Königsstuhl lagerte
und die kurzen, harten Schläge, die beim befahren der Bühne auftraten,
führte allmählich zur Beschädigung des selbigen und deren Fundament.
Man teilte den Hauptträger und erhöhte auch die Anzahl der
Laufräder, was sich bei zunehmender Bühnenlänge und auch dem höheren
Gewicht der Lokomotiven positiv auf den Verschleiß auswirkte. Diese
Drehscheiben nannte man auch Gelenkdrehscheiben. Dreiteilige
Drehscheiben besaßen sechszehn Räder.
Angetrieben wurden die ersten Drehscheiben über lange Hebel. Doch
dies war jedes Mal ein Kraftakt, wenn man daran denkt, das es zu jener
Zeit keine ausgereiften Lager gab. Dem folgte also eine Kurbelmechanik,
die über ein übersetztes Getriebe die Drehscheibe in Bewegung brachte.
Auch heute gibt es noch Drehscheiben, wo dieses Kurbelgetriebe als
Notantrieb dient. Später folgten Wasser-, Druckluft- und
Elektroantriebe.
Nachdem die Drehscheibe in die richtige Lage gebracht wurde, galt
es sie zu arretieren, denn schließlich sollten ja die Lokomotiven nicht
entgleisen. Hierzu diente eine Gleisverriegelung als
Sicherungseinrichtung.
Anfangs übernahmen sogenannte Einwurfklinken diese Sicherung. Doch
sie wurden später durch Riegelhebel ersetzt, die sich in der Gleismitte
befanden. Die Riegelhebel griffen in die Riegeltaschen, die sich im
Grubenrand befanden. Die Mechanik, die diese Riegel betätigten, waren
auch mit einem Gleissperrsignal verbunden, das dem Lokführer als Signal
diente. Später wurden die Gleissperrsignale durch Lichtsignale ersetzt.
Drehscheiben der Länderbahnzeit (Epoche I).
Anfänglich
benötigte man die Drehscheiben nicht nur zum Wenden der
Schlepptenderlokomotiven, sondern auch zum Verteilen von Waggons, denn
aufwendige Weichenstraßen gab es noch nicht. Das bedienen der
Drehscheiben verlangte auch nicht soviel Personal, wie das betätigen
der Weichen, denn Stellwerke gab es ja auch noch nicht.
Diese Drehscheiben wurden mit einem Hebel, der in eine Öse
gesteckt wurde, gedreht. Doch immer größere und schwerere Lokomotiven
führten dazu, das mechanische Kurbelantriebe eingeführt wurden.
Entweder wurde die Kraft über Ketten oder über Zahnräder zu den Rädern
geführt. Ab 910 wurde dieser Antrieb durch einen Druckwasserantrieb
ersetzt. Später entwickelte DEMAG einen Druckluftantrieb. Gespeist
wurde dieser Antrieb durch den Bremsdruck der zu drehenden Lokomotive.
Dieser Antrieb wurde dann durch einen Elektromotor abgelöst. Die
Spannung wurde mittels Kupferschleifringe über den isolierten
Königsstuhl dem Antrieb zugeführt.
Da die offene Drehscheibengrube eine Unfallgefahr darstellte,
wurde sie mit Holzplanken abgedeckt. Jetzt sah diese Wendeeinrichtung
aus wie eine runde Scheibe. Deshalb wohl auch der Name Drehscheibe.
Dies funktionierte aber nur bei den kleineren Drehscheiben.
Neben diesen eingleisigen Drehscheiben gab es aber auch noch Kreuzdrehscheiben, Sterndrehscheiben und Paralleldrehscheiben.
Wagendrehscheiben sind auch heute noch in einzelnen Postbahnhöfen und Industrieanlagen zu finden.
Schon bald benötigte man Drehscheiben mit mehr als 12 Metern. Auch
folgte eine Vereinheitlichung der Konstruktion um Zeit und Kosten in
der Produktion und Ersatzteilhaltung zu senken.
1889 tauchten die ersten Drehscheiben mit einer Länge von 14
Metern auf. 1893 folgten 16 m Drehscheiben und kurz darauf 16,5 m
Drehscheiben. Auf eine Holzbeplankung verzichtete man jetzt aus
Gewichtsgründen.
Die Entwicklung ging rasend voran. Noch während man 16,5 m
Drehscheiben entwickelte, wurde der Ruf nach 18,2 m Drehscheiben laut
gefolgt von 20 m Versionen. Je größer die Drehscheiben wurden, desto
größer wurden die Hauptträger und desto tiefer die Gruben. Zwei Meter
tiefe Gruben waren nun keine Seltenheit mehr. Die Belastung der
Königsstühle führte zur Konstruktion geteilter Drehscheiben. Die
Hauptträger wurden gelenkig mit einander verbunden. Die Hauplast lag
jetzt nicht mehr allein auf dem Königsstuhl, sondern wurde auch nach
außen auf die Räder verteilt, die wiederum die Kraft an die Fundarmente
der Laufschienen abgeben konnten. Hochwertige Kugel und Wälzlager
sorgten für einen geringeren Laufwiderstand. Die ersten
Gelenkdrehscheiben wurden für die Firma Vögele in Mannheim patentiert.
Dennoch hatten 20m Drehscheiben eine tiefe Grube. Das stellte eine
Gefahr dar, wenn es darum geht, das Erdschichten Wasser führten.
Deshalb entwickelte man halbversenkte Drehscheiben, bei denen die
Hauptträger nicht ebenerdig endeten, sondern über den Erboden hinaus
ragten. Um 1920 wurden die letzten 20 m Drehscheiben als Standard
gebaut.
Drehscheiben der DRG (Epoche II).
1920 wurden die
Konstruktionen der 20 m Drehscheiben eingestellt. Größere Fahrzeuge
bedeuteten auch größere Drehscheiben. Dies ging in kleinen Schritten
voran.
20 m Drehscheiben wurden einfach bis auf 21,0 m verlängert,
gefolgt von 22 m Bühnen und schließlich 23 m Bühnen. Hierzu prüfte man
die vorhandenen Drehscheiben auf ihre technische Tauglichkeit. 16,14 m
Bühnen wurden einfach nur auf 16,5 m angestückelt und die Grubenmauern
entsprechend versetzt. Wenn dies aus statischen Gründen nicht mehr
möglich war, wurden zusätzliche Stahlträger an die Hauptträger
montiert.
MAN entwickelte Mitte der zwanziger Jahren eine 23 m Portaldrehscheibe.
1936 entwickelte Vögele eine sogenannte Schotterbettdrehscheibe.
Sie sollten dort eingesetzt werden, wo der Untergrund nicht sehr
tragfähig war und es nicht so viele Zu- und Abfahrten benötigt wurden.
Diese Bühnen waren als zweiteilige Gelenkbühnen ausgelegt, deren Enden
auf einer Doppellaufschiene ruhten. Nur der Königsstuhl ruhte auf einem
gewaltigen Fundament. Die Gefahr bestand, das die Laufschienen auf
Grund der Belastung auseinander driften. Es gab Scheiben mit einer
Länge von 26 Metern.
Es gab aber auch Sonderbauarten, die immer dort zum tragen kamen,
wo nach Umbauarbeiten aus Platzgründen keine größeren Drehscheiben
eingebaut werden konnten. So entstanden Ungleicharmige Drehscheiben,
deren einer Schenkel kürzer war als der andere vom Drehpunkt des
Königsstuhles betrachtet. Sie waren also unsymmetrisch.
In Bebra griff man noch tiefer in die Trickkiste. Die 16 m
Drehscheibe reichte nicht mehr aus und man visierte eine 20 m
Drehscheibe an. Es wurde also eine ungleicharmige Bühne in Betracht
gezogen. Aber auch dies gestaltete sich als unzweckmäßig. Eines der
beiden Zufahrtsgleise konnte in den meisten Fällen nicht benutzt
werden, weil es über die Drehscheibe des benachbarten Lokschuppen
führte. Erschwerend kam dazu, dass eine Schlackengrube und ein
Wasserkran in diesem Zufahrtsgleis lag. Die Verlegung der gesamten
Schuppenanlage kam aus Kostengründen nicht in Frage. Die Firma Vögele
entwickelte darauf hin eine abkuppelbare, fahrbare 4 m Hilfsbrücke. Das
An- und Abkuppeln geschah selbsttätig.
Dann gab es da noch Teildrehscheiben oder besser bekannt als
Segmentdrehscheibe, Pendeldrehscheibe, Sektordrehscheibe, Schwenkbühne
oder Drehweiche.
Doppeldrehscheiben wurden in den ganz großen BWs eingesetzt. Sie
entstanden auch aus der Not heraus, wenn zwei Drehscheiben
nebeneinander liegen und ebenfalls verlängert wurden. Diese Situation
entstand, nachdem Baureihen 01, 05 und 06 eingeführt wurden. Hier
teilten sich zwei Drehscheiben einen Teil der Gruben. Es sah also so
aus, als ob zwei Kreise in einander griffen. Eine mechanische
Verriegelung sorgte dafür, das beide Drehscheiben nicht zusammen
stießen. Solche Doppel- oder Zwillingsdrehscheiben entstanden z.B. in
Köln.
Baureihen 05,06 und 45 benötigten nun durchweg große Drehscheiben.
In nicht allen BWs konnten die alten Drehscheiben vergrößert werden.
Größere Neubauten mussten her und so wurde die 26 m Einheitsdrehscheibe
entwickelt, exakte Länge 26608 mm. Diese Bühne war eine dreiteilige
Ausführung. Aber dennoch setzte sie sich nicht durch und so wurde ihr
Bau kaum realisiert. Diese großen Drehscheiben gab es sowohl mit
Betonfundamenten als auch in Schotterbettausführung. Aber auf Grund der
Aufbau- und Unterhaltungskosten, setzte sich die Schotterbettausführung
trotz geringer erwarteter Kosten nicht durch.
Moderne Drehscheiben besaßen als Hauptträger einen Hohlkörper.
Hier konnte mit verhältnismäßig dünnen Blechen eine sehr stabile
Drehbrückenkonstruktion erreicht werden. Die Höhe des Trägers konnte
von ca. 1250 mm auf 788 mm gesenkt werden, was auch eine nicht so tiefe
Grube erforderte. Auch eine Gewichtsersparnis von ca. 8 t war zu
verzeichnen.