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Modellbahn-Community.net - Lexikon
Epochen

Die Geschichte der Eisenbahn wird, zumindest in der welt der Modelleisenbahn, in Zeitabschnitte, den sogenannten Epochen eingeteilt. Es gibt allerdings keinen Stichtag von einer Epoche zur Nächsten. Deshalb zeigen die meisten Modelleisenbahner auch Kompromißbereitschaft. Wann man begann die Einteilung der Epochen vorzunehmen ist nicht genau festzustellen. Aber sie ist noch relativ jung. Man nimmt an, daß dies irgendwann in den 60er und 70er Jahren geschehen ist.

Epoche 1

Zeitraum: ca 10 Jahre
Dieser Zeitraum ist aber nicht klar definiert. Der Beginn verliert sich im Dunkel des 19. Jahrhunderts. Aber die Zeit des "Adler" 1835 auf der Strecke Nürnberg - Fürth, zählt man meist nicht dazu. Schlaue Köpfe sprechen von einer Epoche 0. Aber die ist nicht offiziell bestätigt und wer baut schon nur diese Zeit nach. Was aber klar definiert ist, ist das Ende dieser Epoche: 1920, mit der Gründung der Deutschen Reichsbahn. Es wird meist die Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg dargestellt, wo die Züge noch bunt waren.

Epoche 2

Zeitraum: 1920 bis 1948
Da aus Eisenbahnersicht hier die Zeiten nichts miteinander zu tun hatten, unterteilt man diese Epoche nochmal in 3 Zeiten. Gepägt wird diese Epoche durch grüne Reisezugwagen und braune Güterzüge, deutlichen Anstieg der Geschwindigkeiten, Fahrzeug und Zuglängen, erstmals Elektrotraktionen im großen Stil, einheitliche bezeichnungen auch der ex-Länderbahnfahrzeuge und Standardisierung.
Epoche 2a; Die "Goldenen Zwanziger" war eine harmonische Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs. Gekennzeichnet war sie durch das Auftauchen der ersten Einheitsdampflokomotiven, Reisezugwagen in Ganzstahlbauweise und Güterwagen der Austauschbauart.
Epoche 2b; In dieser zeit gab es einen erheblichen Gesichtswandel in der Eisenbahn. Dies wurde forciert durch die nationalsozialiste Verkehrspolitik und der aufkommenden Schweißtechnik. Die ersten Stromlinienlokomotive tauchten auf, Reisezugwagen, schnellauffähige Güterwagen, Schnelltriebwagen. Hier war also was los. Wenn jemand eine Anlage in dieser Epoche bauen würde, wäre diese Zeit wohl am idealsten. Sie reicht bis 1939.
Epoche 2c; Die düsteren Jahre zwischen 1939 und 1948. Alles liegt in Schutt und Asche. Verbrannte Erde. Diese Zeit wird in der Regel von Modelleisenbahner nicht nachgebaut. Doch wenn jemand diese Zeit nachbauen würde, so wäre es die Epoche 2C. Hier wird dann auch die Diskusion wach: Hackenkreuz auf der Maschine Ja oder Nein. Eine Epoche der Gewissensentscheidung in Vorbild und Modell, auch ohne Panzerlok und Eisenbahngeschütz und das trotz der Angebote von bekannten Modellbahnhersteller.

Epoche 3

Zeitraum: 1949 bis ca 1970
Genaugenommen erstreckt sich die Epoche 3 bis Ende der 60er Jahre, als die Computernummern eingeführt wurden. Und da entsteht ein Problem. In den über 20 Jahren Eisenbahngeschichte hat sich am Gesicht der Eisenbahn für verändert, ein komplettes Facelifting. Von der Länderbahndampflok zum Intercity, vom Drehschemelwagen zum Containertragwagen. Alles ist möglich, alles Epoche 3 und doch aus völlig verschiederner Zeit. Das macht diese Epoche so interressant. Da es hier aber fließende Übergänge gibt, besteht ein unheimliches Potenzial für Modelleisenbahner, aber auch die Gefahr in Punkto Kompromisse zu übertreiben und eine Modellbahnanlage zu Kitsch werden zu lassen. Deshalb gibt es hier als Anhaltspunkt ebenfalls eine Unterteilung in 2 Gruppen. Typische Merkmale dieser Epoche waren, daß die Züge wieder bunter wurden, z.B. blaue 1.-Klasse-Wagen, der TEE, Güterwagen mit Werbeaufschrift. Die ersten Dampfloks verschwanden und Dieselloks tauchten auf, der Neubau der letzten Dampfloks wurde beendet, Die UIC-Einheitswagen wurden eingeführt. Fast alle Länderbahnfahrzeuge verschwanden, und das Nebenbahnsterben setzte ein.
3a; Diese Zeit reicht von DB-Gründung bis etwa 1957. 1956 war die Klassenreform, bei der die 3. Wagenklasse abgeschaft wurde; 1958 erfolgte die Einführung des 3. Spitzenlichtes bei Zügen. Damit wurde in kurzer Zeit das Gesamtbild der Eisenbahn verändert. Hinzu kam die Einführung eines helleren Grüntones für Reisezugwagen und die Abschaffung der Zonenbezeichnung an den Güterwagen.
3b; Sie ist bei Modelleisenbahnern die beliebteste Epoche. Auch wenn es hier weitere Epochemachende Entwicklungen gab, läßt die verbleibende Zeit sich nicht eindeutig unterteilen. Hier gab es fließende Übergänge. Sie reicht von den späten Fünfzigern bis Ende der Sechziger, in der sich das Gesamterscheinungsbild erneut rapide änderte. Man war jedoch an kein bestimmtes Jahr gebunden. In nur einem Jahrzehnt verschwanden viele alte Fahrzeugtypen und neue kamen hinzu.

Epoche 4

Zeitraum: Darüber läßt sich streiten: allgemein die 70iger Jahre
Die Einführung der EDV-gerechten Bezeichnung aller Fahrzeuge, sogar europaweit, mag in diesem Zusammenhang unbedeutend erscheinen, gilt hier aber als Epochengrenze. In dieser Epoche wurde alles noch bunter, Computernummern wurden eingeführt und sie war die allgemeine Zeit des Endes, was Dampfloks angeht. Das Nebenbahnsterben wurde gewaltig vorangetrieben. Güter wurden immer mehr auf die Straße verlegt. Die meisten Güter- und Reisezugwagen wurden europaweit vereinheitlicht. Die Vorkriegs-E-Loks starben aus. Die Bahn verliert Ecken und Kanten, siehe BR 103. Sie war der Niedergang der Attraktivität der Bahn: ein Massenverkehrmittel im Individualzeitalter. Krampfhafte Versuche, modern und attraktiv zu wirken, machen es zusammen mit der allgegenwärtigen Rationalisierung schwer, Nostalgiegefühle zu entwickeln.
Trotzalledem wird auch diese Epoche in 2 Gruppen eingeteilt.
4a; Die ersten Jahre waren ziemlich unauffällig, weswegen kaum jemand diese Epoche nachbaut.
4b; deshalb können wir gleich getrost in diesen Teil überwechseln. An bis Mitte der 70er Jahre stellten Bahngesellschaften in ganz Europa fest, das es noch andere Farben gibt als Dunkelrot, Dunkelblau, Dunkelgrün und Braun. Die Farbe Braun bei Güterwagen ist jedoch meistens geblieben, aber alle anderen weichen dem Ozeanblau/Beige bei der DB. Im "Westen" Deutschlands war dann 1977 für die Dampfloks das Feuer aus. Und spätstens zu diesem Zeitpunkt endet auch die Epoche 4b.

Epoche 5

Zeitraum: Da man sich bei der Epoche 4 nicht ganz einig ist, so etwa die Zeit der 80er bis heute, aber im allgemeinen sozusagen die neunziger Jahre.
Viel neues gibt es nicht, die Technik der 50er Jahre ist unter neuem Lack verborgen. Die roten Zahlen der DB zwingt zum sparen. Die Bahn wird immer mehr privatisiert. Die Geschichte der Staatsbahn neigt sich dem Ende. Alles Schöne wird immer mehr ausgemustert. Findet sich dafür auf der Modellbahn wieder. Gemischte Güterzüge sind out. Es lebe der Ganzzug. Wer weis wie lange noch. Aber deshalb nicht minder interessant; zum einen wäre da die Wiedervereinigung der beiden deutschen Bahnen. Dadurch wird der Fahrzeugpark gut durchmischt und hiermit ist wieder alles möglich. Es gibt auch immer mehr Privatbahnen, was alle paar Jahre im wahrsten Sinne der Wortes neue Farbe ins Spiel bringt. Loks und Wagen aus allen Herren Länder sind z.B. auch in Deutschland anzutreffen. Die Farbenpracht stellt sogar Epoche 1 in den Schatten. Seit der 150 Jahrfeier der Bahn boomt der Museumsdampf wieder. Was die ganzen Jahre in irgendwelchen Werkstätten verstaubt, wird wieder rausgeholt. Also ist es schon möglich, auch einen Museumszug aus den 30ern auf öffentliche Strecken zu bewundern.

Epoche 6?

Zeitraum: Ab heute?
Das ist eigendlich noch nicht ernst zu nehmen und gehört nicht offiziell dazu, aber in einschlägiger Fachpresse sind solche Nachfragen schon mal aufgetreten. Ob das darauf zurückzuführen ist, das die DB alles mögliche versucht sich ins rechte Licht zu rücken, ihnen das jede Innovation wert ist? Auch was das Praktische anbelangt, sind die Schritte nicht ganz nachvollziehbar. Kaum hat man begonnen die Fahrzeuge Rot mit Lätzchen und in allen Grauvariationen, wie rot-lila-grau, orange-gelb-grau u.s.w. zu lackieren, müssen jetzt alle Fahrzeuge durch "Verkehrsrot über alles" abgelöst werden. Macht das Sinn? Die Frage muß sich jeder selbst beantworten.
Jedoch, jemehr Zeit ins Land geht, wird der Ruf nach der Epoche 6 immer lauter. Unlängst habe ich beim lesen in der Fachpresse (eine Ausgabe, die bereits 1998 die Druckerpresse verlassen hat), und ich zitiere hier den Autor mal auszugsweise,"Es besteht die Gefahr, daß die Modellbahn nach dem Vorbild der Epoche 6 sich selbst zu einer Art Autorennbahn auf Schienen degradiert" und "... und letztlich auch, wie man sich auf einer Anlage nach Epoche 6 interessante Betriebsmöglichkeiten erschließt.". (Klaus Bochmann, Modellbahnplanung-Motive für die Praxis). Er hat recht, wenn er schreibt, das mit dem Einzug der ICEs und Wendezug-ICs der Reiz der Modelleisenbahn verloren geht und der Betrieb nahezu nutzlos wird. Denn wer kann schon solch große Bahnhöfe bauen, in denen diese Züge auch halten und nicht nur durchfahren. Eine Ära in der der bunte Güterverkehr immer mehr verdrängt wird, und der noch zu sehende Personenverkehr weiter zurück geht.
Der Reiz einer solchen Epoche würde für wenigstens 90% aller Modellbahnfreunde verloren gehen.