Bahnhöfe / Orte Bahnsteighallen

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Eisenbahn" wurde erstellt von Atlanta, 4. März 2018.

  1. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

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    Zeitgenössische Darstellung des Heilbronner Hbf's um 1850

    Auch in Europa bei den unterschiedlichen Länderbahnen vor der deutschen Reichsgründung im Jahr 1871 gab es bereits interessante Bahnhofshallen, wie die vom Heilbronner Hbf.

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    Bahnhof Bern 1850

    Ein Foto einer ähnlichen Bahnsteighalle gibt es lediglich vom Bahnhof Bern in der Schweiz aus dem Jahr 1850.

    Es geht auch noch mit bedeutend weniger Bahnsteigen und zwar mit nur einem einzigen.
    Als Beispiel hierfür sei der ehemalige Bahnhof der Hansestadt Lübeck genannt welcher bis 1906 im Betrieb war bis er dann vom Neu gebauten Hauptbahnhof ersetzt wurde.

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    Bahnhof Lübeck im Jahr 1865 - mit Genehmigung aus dem Archiv der Lübecker Eisenbahner Zeitung

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    Bahnhof Lübeck im Jahr 1905 - Mit Genehmigung aus dem Archiv der Lübecker Eisenbahner Zeitung

    Es gibt lediglich ein einziges Bild der Innenansicht.

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    Lübeck Bahnhof um 1900 - Mit Genehmigung aus dem Archiv der Lübecker Eisenbahner Zeitung

    Man muß darauf hinweisen, daß das Empfangsgebäude zur Stadt hin stand und sich neben der Bahnsteighalle drei weitere Gleise befanden über denen Umläufe und Rangierverkehr und der Güterverkehr abgewickelt wurden.

    Eine ähnliche Gleissituation weist der Bahnhof Bishop im Jahr 1965 noch auf, siehe nachfolgendes Bild.
    Anders als in Lübeck wird hier nur eine Vorortbahn in zwei Richtungen abgefertigt.

    In Lübeck hingegen wurden Züge aus mindestens sechs später ab 1865 sogar acht Richtungen und drei bzw. vier Strecken abgefertigt. Die logistische Glanzleistung lag darin, die Zugumläufe so zu gestalten, daß der Bahnsteig möglichst nur kurz belegt war und schnellstmöglich für weiteren Personenzugverkehr frei gemacht wurde.


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    Bahnhof Bishop in Auckland, Neu Seeland im Jahr 1965 - Mit Genehmigung der New Zeeland Railway Historical Society
     
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  2. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

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    Lübeck Bahnhof der LBE bis 1906 - Mit Genehmigung aus dem Archiv der Lübecker Stadtbibliothek

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    Lübeck um 1900 - Mit Genehmigung aus dem Archiv der Lübecker Eisenbahner Zeitung

    Auf dem ersten Foto sind rechts vier Läutewerke zu sehen, für jede der unterschiedlichen Bahnstrecken ein eigenes Läutewerk.

    Links am Bahnhofsgebäudesteht ein Vorsignal mit quadratischer horizontal drehbaren Scheibe. Weißer Rand und Grüne Scheibe, Nachtzeichen Grün abgeblendete Laterne = Vr0 Halt erwarten und weißes Licht = Vr1 Fahrt frei erwarten.

    Das Signal rechts steht in Ruhestellung, Flügel zeigt nach unten, wie bei den bayerischen Flügelsignalen. Während der Zugabfertigung ruht Bahnverkehr. Erst wenn der Bahnsteig vom Publikum geräumt wurde, dann wird dem Lokführer die Ausfahrt signalisiert.
    Nachtzeichen für die Ruheposition ist ein blaues Licht. Hp0 hat rotes Licht und Hp1 hat weißes Licht. Einfahrsignale zeigen ab Hp1 bis Hp3 jeweils ein grünes Licht, was bedeutet, an nachfolgender H Tafel oder Signal anzuhalten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2018
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  3. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    Meine Eingabetechnik „spinnt" mal wieder.

    Ein Nachtrag zu dem Turm auf dem Stationsgebäude, hierbei handelt es. Sich um elektrische Leitungen desörtlichen Telegrafenamtes und der postalischen Telefonvermittlung, die Signalleitungen der Läutewerke wurden erst außerhalb der Station auf Masten geführt.

    Die Signale auf den Bildern des Lübecker Bahnhofs sind ohne Laternen ausgeführt.
    Die LBE fuhr früher nur bei Tageslicht und behielt das bis in die 1940er Jahre bei.
    Im Sommer fuhr der letzte Zug ab Hamburg Hbf gegen 19:30 Uhr in Richtung Lübeck Hbf, im Winter nicht später als 15:30 Uhr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2018
  4. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

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    Gemeinfreies Bild vom Grundriß eines Endbahnhofs um 1860

    Oben im Plan die Ankunftseite und unten die Abfahrseite.

    Nach der Ankunft wurde die Lokomotive abgekuppelt und vorgezogen um diese zu wenden und über das Umfahrgleis zum BW verbracht.
    Das untere Umfahrgleis dient oftmals auch als Bereitstellungsgleis oder Abstellgleis vorbereiteter Züge für die Abfahrseite.

    Im Lübecker Bahnhof am Holstenplatz sind Ankunft- und Abfahrseite zusammengefaßt, es existierte nur 1 Bahnsteig innerhalb der Bahnhofshalle.

    Während der ersten Eisenbahnepoche war es wichtig, das das Publikum nurdann den Bahnsteig betreten dürfte wenn dieses bei Betriebseinstellung auf den Gleisen auch möglich war. Für eine mehrgleisige Erweiterung des Lübecker Holstenplatz Bahnhofs gab es nicht den nötigen Platz, so daß der Bahnhof verlegt und als Hbf an neuer Stelle errichtet wurde.

    In verschiedenen Publikation wird fälschlicherweise behauptet, daß es bis 1906 eine mehrgleisige Erweiterung gegeben haben sollte, diese wäre aber mit der damaligen EBO nicht vereinbar gewesen unreine Änderung der EBO als Einzelausnahme für die LBE hat es nicht gegeben, zu dem dienten die Gleise dem Güterverkehr und für Umfahrmöglichkeiten.
     
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  5. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    Obiges Bild zeigt noch eine weitere Besonderheit jener Zeit vor 1900 auf.
    Die damals verwendeten Weichen waren Schleppweichen, links vor dem Frontportal des Bahnhofs übernimmt eine Drehscheibe die Funktion einer Segmentdrehscheibe und die Funktion des Schleppgleises.
    Zungenlose Weichen warenfrüher die erste Bauform von Weichen, sie haben aber einen entscheidenden Nachteil gegenüber Zungenweichen.
    Zungenweichen können aufgeschnitten werden, wenn ein Fahrzeug die Weiche befährt, obwohl die Weiche für den anderen Fahrweg gestellt ist.

    Bei Schleppweichen führt ein falsches Befahren unweigerlich zur Zwangsentgleisung.
    Verschiedene Eisenbahningenieure aus Sachsen und aus der Schweiz haben sich hierüber Gedanken gemacht und Schleppweichen entwickelt, welche auch bei Falschfahrt das Aufschneiden, also die zwangsweise Umstellung des Schleppgleises bewirken.

    Diese Art der aufschneidbaren Schleppweichen wurden in Sachsen bis in die 1930er Jahre noch dort verwendet, wo Schleppweichen, noch nicht durch Zungenweichen ersetzt wurden.
     

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