Betriebsablauf Betriebsablauf zwischen verschiedenen Spurweiten

Dieses Thema im Forum "Betrieb" wurde erstellt von franzman, 4. Mai 2021.

  1. franzman

    franzman Mitglied

    Hallo,

    ich habe da mal eine Frage an die Eisenbahner unter euch. Weiß jemand Bescheid, ob es um 1900 eine Möglichkeit gab, von der Normalspur auf die Schmalspur zu wechseln.

    Ich weiß von meinem Opa, der bei Henschel in Kassel gearbeitet hat, dass dort die Dampflokomotiven, die für die russische Breitspur gebaut wurden, bei der Auslieferung auf speziellle Gestelle (Schemel) gesetzt wurden und bis an die russische Grenze transportiert und dort auf die Breitspurgleise gesetzt wurden.

    Bei der Baustelle, deren Nachbildung ich plane, wurde im Baustellenbereich und bis zur nächsten Bahnstation (13 km entfernt) eine Schmalspurstrecke verlegt. Die Materialien, welche auf der Normalstrecke an der Bahnstation ankamen, hätten alle auf Schmalspurwagons umgeladen werden müssen. Da hätte es sich doch gelohnt, sich etwas für den Weitertransport auf der Schmalspurstrecke ohne Umladung einfallen zu lassen.

    Viele Grüße

    Helge
     
  2. lok527596

    lok527596 Vollbluteisenbahner Mitarbeiter

    Hallo Helge

    ganz früher vor der Jahrhundertwende wurden die Wagen noch umgeladen. Es gab da keine Übereinkommen des Wagenaustausches. Die Güterbahnhöfe bzw. die Anlagen waren meist auch dafür ausgelegt und es gab ja genug Arbeitspersonal. Mit der Zeit wollte man Geld und Zeit einsparen und somit wurden Rollbockanlagen entwickelt auf der die Güterwagen von Normalspur auf Schmalspur aufgeschemelt wurden. Bei dem Wechsel der Wagen von Normalspurgleisen auf Breitspur gab Umspuranlagen. Hier wurden entweder Achsen oder Drehgestelle komplett getauscht. Heute gibt es Fahrzeuge auf denen die Radsätze auf der Achse verschiebbar arretiert sind. Bei Loks gibt es heute Hilfsfahrgestelle wo diese drauf sitzen um überführt zu werden. Ein ähnliches System gabs auch früher .Das Überführen war aber sehr zeitaufwendig da mit den Hilfsfahrgestellen nur langsam gefahren werden konnte.
     
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  3. franzman

    franzman Mitglied

    Hallo Stephan,

    danke für die Infos. Es wird also bei der Baustelle so gewesen sein, dass die Normalspurwagons umgeladen wurden. Daher war wohl auch der kleine Bahnhof mit Abstellgleisen ausgestattet, die später eigentlich nicht mehr benötigt. wurden.

    Generell hielt die Eisenbahn in dem Gebiet erst mit der Einrichtung der Großbaustelle seinen Einzug.

    Viele Grüße

    Helge
     
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  4. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Helge,

    Rollböcke greifen von unten an die Achsen der Wagons, das sind kleine 2 achsige Drehgestellwagen mit einem drehbaren Schemel.
    Rollwagen hingegen waren Verladebrücken mit Regelspurgleis auf denen der Regelspurwagen abgestellt und mit Ketten befestigt wurde und die Rollwagen mit Kuppelstangen von der Schmalspurlok abgeschleppt werden.

    Es gab beide Systeme, sie wurden aber nur dort eingesetzt, wo ein Ausbau mit Dreischienengleisen nicht lohnte und wo die Anschließer genug Güter oder Massengüter abnahmen, daß eine Umladung zu unwirtschaftlich sei.

    Im Jahr 1910 wurden im Schmalspurerlaß die beiden Schmalspuren von 600 mm Feldspur und 1000 mm Schmalspur festgelegt in denen künftige Schmalspurbahnen gebaut werden durften.

    Schmalspurbahnen anderer Spurweiten durften nur an bereits bestehenden Gleisanlagen angeschlossen erweitert werden, das führte in Sachsen mit der 750 mm Schmalspur zu einer Kuriosen Verbindungsbahn, die keinen wirtschaftlichen Nutzen hatte aber gebaut wurde, um das bestehende Gesetz zu umgehen. Man erschloß zwar ein neues Gebiet, führte aber zunächst das Gleis einer anderen Bahn dorthin und konnte dann, an bestehende Gleise anschließen.

    In den 1930er Jahren wurde die Heeresfeldbahn mit 900 mm mit aufgenommen.

    In Deutsch Süd–West Afrika existierte die privat gebaute O.M.E.G. mit gut 689 km Gleislänge auf 600 mm Schmalspur aber mit besseren Gleisen und sanfteren Neigungen und großzügigeren Gleisbögen als die staatliche DSWAE welche Heeresfeldbahngleise und Fahrzeuge nutzte die minderwertiger Qualität waren. Man baute aber dennoch eine 237 Km Bahnverbindung von der Mole in Swakopmund in die Hauptstadt Windhuk.

    Die Staatsbahn fuhr durchschnittlich 15,5 Km/h,
    die private O.M.E.G. hingegen Ø 30,6 Km/h.

    Die Zuladung bei der Staatsbahn war auf maximal 7 t begrenzt, bei der privaten O.M.E.G. hingegen auf 20 t Zuladung.

    Massengüter wurden damals in Säcke verfüllt und konnten so mit Stückgutfrachtern nach Deutschland transportiert werden.

    Bei Sand oder Schotter und auch Kohle machte man das nur sehr bedingt, unterließ es aber meistens.

    Umladehallen oder Güterböden (Güterschuppen) wurden verwendet, um von der Regelspur auf die Schmalspur umzuladen.
    In Umladehallen waren die Gleise in unterschiedlicher Höhe, so daß die Wagenböden auf einer Höhe waren, nicht immer wurden Zwischenbühnen verwendet, auch die direkte Umladung war sehr populär.

    Es kam immer auf das zu transportierende Frachtgut an, wie damit am wirtschaftlichsten verfahren wurde, denn auch damals galt, für die Arbeit so wenig wie möglich Arbeiter zur Verfügung zu stellen, um die Lohnkosten niedrig zu halten.

    Eine Bahn in privater Trägerschaft mußte Gewinne erzielen. Auch bei der Staatsbahn galt, so wenig wie möglich staatliche Subventionen zu nutzen, der Staat sollte Gewinne aus dem Eisenbahnverkehr erzielen.

    Defiziere Bahnlinien drohte die Betriebseinstellung oder staatliche Übernahme und wenn sich die Lage nicht verbesserte, auch die Stillegung.

    So jedenfalls war es in der Epoche I zur Kaiserzeit.

    Schönen Gruß,

    Ingo
     
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  5. franzman

    franzman Mitglied

    Hallo Ingo,

    ich danke dir für deine Informationen.

    Die Baustelle war für 7 Jahre geplant, und derzeit hielt man meist die Planungen ein (Flughafen Berlin:)). Zur Errichtung der Baustelle musste einiges an Material über die Schiene angeliefert werden (Bau der Schleppbahnen, Lokomobile, Eisen für Brücken und sonstiges, Zement, Kalk und Kohlen und dergleichen mehr). Das Steinmaterial für den Bau, das benötigte Holz, der Sand und der Kies wurden vor Ort gewonnen.

    Zu Beginn, bei Einrichtung der Baustelle, wurde also mehr Material über die Schiene angeliefert. Das nahm nach der Einrichtung ab.

    Der Bahnhof, von der die Schmalspurstrecke zur Baustelle führt ist noch vorhanden, wenn auch die Bahnstrecke (Normalspur) seit 20 Jahren stillgelegt ist. Ich werde mich dort noch einmal genau umschauen, ob es noch Spuren gibt. Leider wurde zu Beginn der 1960er Jahren (wahrscheinlich auch schon zuvor in den 1930er Jahren) die alte Strecke zur Baustelle ab dem Abzweig vom Bahnhof durch eine Normalspurstrecke ersetzt, die dann zu einer anderen Baustelle führte. Dazu sind allerdings, wie auch zum Bau der ursprünglichen Strecke, keine Aufzeichnungen zu finden.

    Die Informationen über die Umlade- bzw. die Schemeltechnik benötige ich für ein Informationsheft / -tafel zu dem Baustellendiorama. Den Bahnhof der Normalspur wird nicht Bestandteil des Dioramas sein - würde den Rahmen sprengen.

    Viele Grüße

    Helge
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2021
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