Betriebsabläufe Definition eines Bahnhofs, Signale und Fahrzeuge bis Epoche II b

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Eisenbahn" wurde erstellt von Atlanta, 4. September 2018.

  1. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    Ein Bahnhof ist eine Betriebsstelle mit mindestens einer Weiche und einem Abzweigenden Gleis, welches lang genug sein muß, daß dort abgestellte Fahrzeuge, nicht das Hauptgleis der Betriebsstelle blockieren.
    Ein Bahnhof muß nicht zwangsläufig auch Publikumsverkehr (Reisende, Begleiter oder nicht unterwiesene Personale) haben und kann sich außerhalb geschlossener Ortschaften irgendwo auf freier Strecke befinden.

    Bahnhöfe zur Zugkreuzung oder Überholung dürfen auch in dieser Minimalanforderung bestehen.
    Ausweichtaschen mit mindestens zwei Weichen sind nicht vorgeschrieben und auch das Gleisende kann offen bleiben, also ohne Gleisabschluß durch eine Gleissperre oder Prellbock. Das Gleisende muß lediglich durch eine Blechtafel, die bei Nacht mit einer Laterne zu beleuchten ist, zu kennzeichnen.

    Zug- oder Triebzugführer, die auf solchen Bahnstrecken eingesetzt werden, müssen mit den vor Ort geltenden Sicherungseinrichtungen vertraut sein und diese sicher bedienen können.
    Kenntnisse in der Telegrafie, Telefonie oder Stellwerkstechnik oder sonstigen Sicherungseinrichtungen sind für den sicheren Betrieb erforderlich, wenn Bahnhöfe mit oder ohne Stellwerke nicht durch vor Ort stationiertes Personal oder Agenten besetzt sind (Selbstabfertigung).

    In wie weit das heutzutage noch zutrifft, können unsere im Betriebsdienst beschäftigten Eisenbahner erläutern.

    In den Epochen I (1875 bis 1923) und II a (DRG --> Deutsche Reichsbahn Gesellschaft 1923 bis 1937) gab es eine andere Gesetzeslage als ab der Epoche II b (Gründungsjahr der DR --> Deutsche Reichsbahn).
    Bei Bahnhöfen mit Publikumsverkehr an Verladestellen oder Bahnhöfen mit Bahnsteigen mußte der Schienenverkehr ruhen wenn sich Publikum auf den Bahnsteigen oder an den Verladestellen befand.
    Erst wenn das Publikum die Verladestellen oder Bahnsteige bis hinter die Bahnsteigsperren verlassen hatte, durfte der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden.

    Ab 1910 gab es grundlegende Änderungen in der Signalisierung und es wurden Neuerungen eingeführt, die Unfälle durch mißverständliche Signalisierungen vermeiden sollten.
    Mehrbegriffige Vorsignale wurden zwar schon vor 1910 eingeführt aber die Bedeutung der Nachtzeichen wurden geändert.

    Im Falle von zerbrochenen Lichtscheiben durch Frost oder Vandalismus, kam es bei Vorsignalen zu mißverständlichen Signaldeutungen. Vr0 --> Hält erwarten mit grüner Lichtscheibe, Vr1 --> Fahrt frei erwarten mit weißem Laternenlicht.

    Nachtzeichen wurden von den Kennfarben, Rot, Grün, Weiß und Violette auf Rot, Orange und Grün abgeändert. Zeigte ein Signal weißes Licht oder gar kein Licht mußte vor dem Signal angehalten werden und die Signalstellung visuell abgelesen und/oder fernmündlich im Stellwerk/Bahnhof abgefragt werden (bei Dunkelheit, Nebel, starkem Regen oder bei Schneefall).

    Ruhender Bahnverkehr mußte durch Signale entsprechend, dem Betriebspersonal kenntlich gemacht werden, hierzu zeigte der Signalflügel entsprechender Gleisabschnitte senkrecht nach unten, bei Nacht wurde die Signalstellung HpRu mit einer blauen Lichtscheibe signalisiert.

    Ab der Epoche II b (DR 1937 bis 1945) trugen nur die Fahrzeuge das staatliche Hoheitszeichen, die für Mitglieder der Reichsregierung vorgesehen waren, andere Fahrzeuge erhielten den Schriftzug Deutsche Reichsbahn oder das Kürzel DR. Die Umzeichnung von Fahrzeugen erfolgte bei Werkstattrevisionen.
    Die Gesetze zum Schutz des Publikums wurden gelockert, um so die Effizienz der Bahnhöfe und bei Verladebahnhöfen den Warenumsatz steigern zu können. So war es fortan für das Publikum erlaubt, sich auch bei Ein- oder Ausfahrenden Zügen und beim eventuell notwendigen Rangierverkehr an Verladeeinrichtungen oder auf Bahnsteigen aufzuhalten, wenn man mindestens die erforderliche Zugangsberechtigung (Bahnsteigkarte und/oder Fahrkarte) besaß.

    In der Signaltechnik fiel der dritte Flügel nun offiziell weg, es gab aber noch Signale, welche noch nicht durch neuere Signale ersetzt wurden.
    Bei Zugfolgefahrten und auf eingleisigen Bahnstrecken entfiel die Pflicht dieses mit einer dritten Laterne nach vorne und beim ZS mit drei bzw. vier Blechschildern, Flaggen oder Laternen zu signalisieren.
     
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