Unternehmen Gesellschaftsnamen der Staatsbahnen in Preußen

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Eisenbahn" wurde erstellt von Atlanta, 16. Mai 2020.

  1. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    da ich mich in letzter Zeit sehr viel mit der Lübeck Büchener Eisenbahn beschäftigte, welche im Königreich Preußen, seit der Befreiung der Provinz Schleswig-Holstein von den dänischen Besatzern, eine Sonderrolle einnahm und ihre Unabhängigkeit bewahren konnte, sind die anderen Bahnen im Königreich Preußen etwas aus meinem Fokus gerückt.

    Kein Problem, man hat ja umfangreiches Archivmaterial.

    Die Stattatsbahnen im Königreich Preußen unterstanden dem Handelsministerium als Aufsichtsbehörde bzw. dessen ausgelagertes Amt für öffentliche Arbeiten.
    Dort hatte man aber wenig Sachkompetenz und überließ den über 20 Bahnverwaltungen, welche teilweise gegeneinander konkurierten eher freie Hand bei der Organisation des Eisenbahnwesens.

    Die damals noch Königlich Preußische Staatseisenbahn = K.P.E.St.E. fusionierte 1897 mit der Hessischen Ludwigsbahn = HLB und fortan wurde der Name in K.P.u.G.H.St.E abgeändert also Königlich Preußische und Großherzoglich Hessische Staatseisenbahn aber nur im süddeutschen Gebiet bishin nach Saarbrücken und Teilen in Rheinland-Pfalz. In der übrigen Landesteilen Preußens, setzte sich ein zunächst am strikt abgelehntes aber dann geduldetes Emblem mit dem Schriftzug K.P.E.V. und einfacher Umrandung durch dieses Zeichen gab es als Bemalungsschablone zum schnellen Umzeichnen von Wagen.

    Obwohl es die K.P.E.V. nie gegeben hatte wurde das Emblem doch verwendet.
    Dieser Name blieb dann bis zum Ende des 1. WK bestehen. Nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm wurde der Name in Preußische Staatsbahn = P.St.B. abgeändert bis sie 1920 in die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft überging.

    Es gab auch etliche, eigenständig agierende Privatbahnen unter preußischer Kontrolle, dort blieb der zuvorige Gesellschaftsname aber meistens erhalten oder wurde in aktuell gängige Beschriftung abgeändert.

    Westlich des Rheins im Bezirk der Eisenbahndirektion Cöln linksrheinisch, wurden ab ca. 1880 auf einer Industrieschau (Messe) für Eisenbahnfahrzeuge, die Fahrzeuge preußischer Herkunft mit einem weißen Wappen mit Preußenadler und dem Schriftzug K.P.E.V. = Königlich Preußische Eisenbahn Verwaltung gekennzeichnet.

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    Gemeinfreies Bild
    Eine solche Gesellschaft hatte es nie gegeben aber seit eben jener Industrieschau wurden mehrfach viele unterschiedliche Wagen mit diesem Hoheitszeichen ausgestattet und liefen ab 1880 überwiegend westlich des Rheins im Bereich der Eisenbahn Direktion Cöln (linksrheinisch) welche dieses Emblen an den Wagen duldete.

    Nicht so bei der Eisenbahndirektion Cöln (rechtsrheinisch) dort wurden Wagen mit dieser Wagenanschrift aus Zügen entfernt und in den Werkstätten mit den aktuell gültigen Anschriften umgezeichnet.

    Nach der Zusammenlegung beider Direktionen in Cöln (linksrheinisch) verkehrten Wagen mit diesen Anschriften mit dem aufwändigerem Wappen nur noch westlich des Rheins.

    Für eine flächendeckende Umzeichnung und weiteren Verbreitung sorgten dann diverse Museumsbahnvereine ab den 1970er Jahren nach der Restaurierung preußischer Eisenbahnfahrzeuge.

    Leider tat auch die Modellbahnindustrie selbiges und sorgte für die weitere Verbreitung dieses fantasievollen Emblems zur Kennzeichnung preußischer Eisenbahnfahrzeuge.

    Für Epoche I Fans ist das mehr als bedauerlich, besonders wenn man versucht so vorbildnah wie möglich seinen Fuhrpark zu gestalten.

    Aber auch da gibt es Lösungen, denn selbst die Stastsbahn in Preußen verwendete meistens nur das Gesellschaftskürzel oder ließ den Gesellschaftnamen einfach weg, wenn die Wagen nicht für den grenzüberschreitenden Verkehr des eigenen Hoheitsgebietes vorgesehen waren.
    In den Wagenanschriften (oben links, seitlich am Wagen, unterhalb des Daches) waren der Direktionsbezirk und der Heimatbahnhof angeschrieben.

    Die meisten Wagen führten aber auch nur den Königsadler mit Krone in Weiß und einer weißen Umrandung und darunter die Buchstaben KPEV in einer einfacheren Form als das Wappen weiter oben im Beitrag, dieses Zeichen wurde in einer Publikation über Wagenbeschriftungen von 1897 mit aufgeführt für 20 von 22 Direktionen, die dieses Emblem duldeten.

    Schönen Gruß

    Ingo
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Mai 2020

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