Landschaftsbau Hölzerne Fachwerkbrücke

Dieses Thema im Forum "Anlagenbau" wurde erstellt von Atlanta, 26. Januar 2020.

  1. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    Ich stelle hier meinen Baubericht für eine hölzerne Fachwerkbrücke rein obwohl Hoch-, Tief- u. Kunstbauten eigentlich zum Landschaftsbau gehören aber das verwendete Material und die Baupraktiken sind annähernd gleich zum Gebäudebau, somit paßt das bestimmt schon?

    Folgende Situation:
    An einer vormals zweigleisigen Bahntrasse wurde die um ein Gleis erweitert, so daß es notwendig wurde eine größere Brücke einzufügen, damit die Kosten niedrig bleiben, entschied sich die Bahngesellschaft für eine hölzerne Fachwerkbrücke, welche von der Bauzugtruppe selber gebaut werden konnte.

    Baubericht einer hölzernen Fachwerkbrücke

    Während meiner Ausbildung im Reichsbahn Ausbesserungswerk RAW Halle/Saale trichterte man mir ein, zu Anfang eine Projektes, immer eine Technologie zu erstellen.

    Benötigte Baumaterialien:
    - 30 Holzbalken zu je 1000 nm x 3 mm x 3 mm
    - Holzleim oder Allzweckklebstoff UHU oder Pattex
    - vorgefertigte Brückenkopfstützmauern von Chooch Enterprises
    - Bastelwerkzeuge
    - Bauzeichnung oder Skizze

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    Rechts alter Brückenkopf, Links neuer Brückenkopf, Pfeiler optional

    Die ermittelte Länge beträgt 440 mm die Breite 70 mm, senkrechte Streben 50 mm und obere Balken je 360 mm.

    Es werden sechs Balken zu je 440 mm Länge benötigt zwei Balken zu je 360 mm, diverse Balken zu je 70 mm Länge, diese werden erst einmal zugeschnitten und möglichst vor dem Zusammenbau angemalt oder gebeizt.

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    Die Fachwerkfelder sollte nie exakt im gleichen Abstand zueinander aufgebaut werden, wenn diese im Abstand ein paar mm größer oder kleiner sind, dann ist das mit Absicht so gewollt.

    Der Grund liegt darin, daß so Resonanzschwingungen vermieden werden können, die bei größeren Brückenbauwerken leicht zum Einsturz der Brücke führen könnten. Zu dem wirkt es auch schalldämmend beim Befahren der Brücke.

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    Zunächst werden nur die unteren Balken mit den langen Balken verleimt, der Abstand der Doppelbalken beträgt 3 mm.

    Sind die Balken der Unterseite verleimt werden die senkrechten Stützen eingeklebt, zur Stabilisierung kann man die 70 mm Deckbalken verwenden.

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    Nun werden die diagonalen Fachwerkstreben eingefügt und weitere Deckbalken eingeklebt.

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    Nachdem wir die Brückenmitte erreicht haben, wird das mit der anderen Seiten ebenso aber gegenläufig gemacht.

    Dort, wo zwischen den senkrechten Balken noch Lücken im Brückendeck sind, werden diese durch speziell eingepaßte Decksbalken gefüllt.

    Abschließend werden noch 2 oder 3 parallele Balken eingeklebt, auf denen die Gleise geklebt werden.

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    Vorbildlich ist es wenn sich die Schienen parallel über einem Balken befinden.

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    Besonders vorbildlich ist das Brückengleis von Walthers mit den beidseitig geführten Zwangsschienen und V-Enden.

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    Die Brücke wird eine Langsamfahrstelle werden der beidseitige Abstand zu den Fachwerkstreben ist schon sehr gering.

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    Und immer wieder diese "Blinden Passagiere" in den Güterwagen, dreistes Volk.

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    Die Rechte Stützmauer besteht aus gemauerten, behauenen Bruchsteinen.

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    Die Linke Stützmauer wurde nach der Erweiterung aus Beton gegossen.

    Die Stützmauern sind von Chooch Enterprises.

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    So sieht sie aus, die fertige Brücke, naja ein paar Farbarbeiten müssen noch gemacht werden aber das Projekt ist erst einmal soweit abgeschlossen.

    Durch die mehrfache Verstebung ist die Brücke sehr stabil und kann Lasten von mehr wie 5 Kg problemlos tragen.

    Insgesamt gingen etwa 17 m Material drauf.

    LG Ingo
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2020
    RS1 und lok527596 gefällt das.
  2. juliuswen

    juliuswen Neues Mitglied

    Was für ein detailliertes und verwaltetes Projekt! Sie haben wirklich großartige Arbeit geleistet, wie Sie es geschafft haben, selbst mit der Art und Weise, wie Sie versucht haben, die Ressourcen zu verwalten, aber Sie haben uns nicht wirklich Details darüber gegeben, wie Sie in der Lage waren, genaue Größen der von Ihnen verwendeten Hölzer zu erhalten. Haben Sie einen Schneidetisch verwendet oder wurde dieser bereits auf die gewünschten Größen zugeschnitten, als Sie ihn erhalten haben? Alle Informationen darüber werden sehr geschätzt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. März 2021
    Atlanta gefällt das.
  3. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Hallo Julius,

    an anderer Stelle hier im Forum hast du mich schon angeschrieben und dich vorgestellt, also heiße ich dich hiermit schon einmal herzlich Willkommen in der Modellbahn Community, wo wir uns überlicherweise in der freundlicheren, geselligeren Du-Form anreden.

    Mein Brückenprojekt basiert auf Erkenntnissen von Selbststudien im Brückenbau und auch zwei mittlerweile verstorbene Freunde meinerseits, der eine war Brückenbauingenieur bei der Deutschen Bahn AG und davor bei der DB Behörde und somit zum Beamten auf Lebenszeit berufen worden.
    Der andere Freund war "Doppel Dippel Ing." also zweifacher Diplomingenieur, während seine Ausbildung zum Elektroingenieur empfand er sich "unterfordert" und studierte das Maschinenbauwesen zur selben Zeit mit und legte in beiden Fachrichtungen seinen Diplom Ingenieur ab und das zu einer Zeit, als man noch mit dem Rechenschieber arbeitete, da es Taschenrechner damals noch nicht gab, nachdem er bei Hentschel in Kassel auch Dampflokomotiven für den Export baute zog es ihn irgendwann wieder zurück in seine norddeutsche Heimat, wo er aber keine Anstellung als Maschinenbau Ingenieur fand aber als Elekrroingenieur bei einer AEG Außenstelle in Blankenese bei Hamburg, die sich mit militärischen Rüstungsgütern beschäftigten, und dad in der jungen Bundesrepublik Deutschland kurz nach der Staatsgründung 1949 als in Hamburg noch Kriegstrümmer die Straßen säumten.
    Als Ingenieur verdiente er damals nicht gut genug und ein örtlicher Bauunternehmer bot ihm mehr Geld an und einen sicheren Arbeitsplatz als LKW Fahrer. Wäre er mal als Ingenieur geblieben, dann hätte er in späterer Zeit mehr verdient.

    Ich merke schon ich schweife ab aber das ist mir wichtig es zu erwähnen, weil letztere ein sehr enger, "väterlicher" Freund wurde, als ich 1984 nach Bargteheide (nordöstlich von Hambzrg) zu meiner Oma zog. Mit ihm verbrachte ich viel Zeit und wir hatten ein gemeinsames Hobby, die Eisenbahn, eine Grundlage für viele und lange Gespräche über Eisenbahnfahrzeuge aller Art.
    Leider verstab er am Corona Covid 19 Virus nach langem, sehr schwerem Krankheitsverlauf.

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    Gemeinfreier Auszug mit Genehmigung der Black Bear Bridge Construction Company

    Der Inhaber dieser mittlerweile nicht mehr existierenden US Firma empfahl maßstabsgerechte Holzbalkenstärken zu verwenden.
    Diese würden 4½ mm x 4½ mm betragen.
    Ein zuvor gemachter Testaufbau mit 5 mm x 5 mm Holzbalken kam zum Ergebnis einer nicht fein detailierten Brücke, welche für den "groben" Einsatz einer "Spielbahn" eher geeignet erschien, als für den Einsatz bei einer mehr detailierten Modellbahn.

    Auf die Lösung wie ich das Problem angehen konnte brachte mich zunächst mein Freund, der Doppel Dippel Ing. und ich nahm dünnere Balkenstärken von 3 mm x 3 mm. Diese sind in Bastelgeschäften oder Modellbauläden einfach zu beschaffen und in der Regel 100 cm lang und in einer breiten Vielfalt und Auswahl in unterschiedlichen Hölzern und Materialstärken erhältlich.

    Für meinen einfachen Schneidetisch (Wert 20 €) kann ich Hölzer bis 5 mm Materialstärke bearbeiten.
    Das ungefähre mm und cm Maß hat keine große Genauigkeit und dient lediglich zur groben Abschätzung beim Zurechtschneiden der Hölzer auf Länge.
    Ähnlich wie bei einer Gehrungssäge lassen sich Winkel bis 90° in das Holz schneiden also abschneiden.

    Durch die mehrfache Fachwerkstützkonstruktion der Brücke ist diese sehr stabil und verträgt sehr hohe Belastungsgewichte.

    Eine einzelne Holzstrebe würde bei 5 Kg punktueller Gewichtsbelastung zusammen- und durchbrechen.
    Nicht aber bei einer mehrfachen Ableitung der der Belastungskräfte, wie mich mein anderer Freund der Brückeningenieur aufklärte.

    Früher wurde während des Ingenieursstudiums erwartet, solche Belastungsrechnungen ohne zu Hilfenahmer moderner Geräte, selbst durchzuführen also auszurechnen, wie schwer ein Gegenstand maximal sein darf, der über die Brücke bewegt wird.
    Das sind seitenweise sehr komplizierte Berechnungen die da angestellt werden müssen, ein Umstand warum ich nie Ingenieur wurde, sondern zunächst Expedient und später Expeditor in der Expedition eines Magazins (Fachkraft für Lagerwirtschaft, wie dieser Ausbildungsberuf mittlerweile heißt) geworden bin. Früher wurde die vorangestellte lateinische Bezeichnung des Magazinverwalters oder abgekürzt der Lagerist für diese Berufsgruppe verwendet, diese Fachleute waren nur angelernt, der Ausbildungsberuf wurde es erst gegen Ende der 1990er Jahre eingeführt.
    In vielen Branchen galten früher Lagerarbeiter und Verwalter als eher "geistig minderbemittelte" oder "dumme" Leute, welche für "anfesehenere" Tätigkeiten nicht taugten.

    Mir jedenfalls machte die Lagerverwaltung großen Spaß und an Hand von Materiallisten und statistischen Erhebungen kann man auch sehen, wie wirtschaftlich irgendwelche Betriebsmaterialien sind. Fehlerhafte Betriebsmittel "schlagen mit vielen Ersatzteilen zu Buche", so kann man deren Wirtschaftlichkeit auch recht zuverlässig ermitteln.

    Die Querstreben bei meiner Brücke sind von mir auf 65 mm zugeschnitten worden, was sich als insgesamt zu schmal erwies, die Brücke selber ist mir meiner Meinung nach recht gut gelungen, das Brückendeck hätte breiter sein können.
    Die Materialstärke der Holzbalken wird von mir demnächst mal auf 2 mm x 2 mm probeweise herabgesetzt.

    Ich taste mich nach dem Prinzip "try and error" = Versuch und Fehler an die optimale Brücke heran.

    Man sollte aber den immensen Materialbedarf nicht unterschätzen, den Fehler machte ich zunächst selber und mußte mir zweimal Hölzer nachkaufen.

    Insgesamt wurden 17 Meter x 3 mm x 3 mm Kiefernholzbalken verwendet.
    Für einen von zwei Stützbalken gingen weitere 2 m Holzbalken drauf das macht dann zusammen 21 m an Holzbalken bei 3 mm x 3 mm Materialstärke.

    Schönen Gruß,

    Ingo
     

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