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Lexikon - Bautechnische Objekte BW

Dieses Thema im Forum "Lexikon" wurde erstellt von Joerg, 22. November 2005.

  1. Joerg

    Joerg Renommiertes Mitglied

    Bautechnische Objekte

    Brücken, Tunnel, Stellwerke, Bahnbetriebswerke usw.

    Bahnbetriebswerk

    Das Bahnbetriebswerk, kurz auch BW genannt ist aus dem Zeitalter der Dampfloks nicht wegzudenken. Auch heute noch sind BW's nicht wegzudenken und unverzichtbar.
    Jeder größere Bahnhof hatte und hat auch heute noch ein BW. Viele BW's aus alter Zeit wurden aus Kosten und Personalgründen geschlossen. Viele dieser ehemaligen BW's wurden dann von Eisenbahnfreunde und Museen erhalten, wie das BW auf dem Bild unten.

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    Zweck eines BW's war es, die für den Fahrbetrieb erforderlichen Lokomotiven rechtzeitig und leistungsfähig den Betrieb zuzuführen und die zurückkehrenden Lokomotiven wieder betriebsfähig herzustellen. Somit hatte jede Lok einen Heimatbahnhof oder Heimat-BW. Das war und ist auch auf Schildern am Fahrzeug ersichtlich.
    Heute sind in der Regel die BW's nicht mehr so groß, mit Ausnahme der ICE-BW's, mit Hallenlängen über 800m. Aber zur Zeit der Dampfloks, waren eine Reihe von Einrichtungen notwendig.
    Jede Dampflok, die aus einem Einsatz ins BW zurückkam, durchlief eine Reihe festgelegter Behandlungsabläufe. So war das BW nach diesen Behandlungsabläufen auch aufgebaut, ähnlich wie am Fließband.
    Zuerst wurde die Lok auf allgemeine Schäden überprüft, auf so genannten Untersuchungsgruben. Solche Gruben gab es auch in den Lokschuppen. Es handelt sich um Schäden die durch das Lokpersonal gemeldet wurden aber auch nicht offensichtliche Mängel.
    Danach wurde der Tender mit Kohle befüllt.
    Danach kam eine nicht angenehme Behandlung. Schlacke wurde aus der Feuerbüchse entfernt. Die so genannte "Lösche", das sind Kohleteilchen und Russpartikel, mussten aus dem vorderen Kesselbereich hinter der Rauchkammertür geschaufelt werden. Dies geschah über der Löschegrube, die sich meist gleich anschließend an der Bekohlungsanlage befand. Die Löschegrube war mit Wasser gefüllt.
    ähnlich aufgebaut war auch die Schlackegrube, die die Schlacke, die sich unterhalb der Feuerbüchse einer Lok sammelt, aufnimmt.
    Die Dampflok braucht zur Dampferzeugung bekanntlich auch Wasser. Dieser Wasservorrat musste auch ergänzt werden. Dazu fuhr die Lok zum Wasserkran. Dieser Wasserkran bekam wiederum sein Wasser aus dem Wasserturm, einem charakteristischem Bauwerk des BW.
    Jede Lok, auch heute noch, selbst der ICE, besitzt Sandbehälter, nur mit dem Unterschied dass sich der Sandbehälter bei der Dampflok auf dem Kessel befindet und bei den moderneren Fahrzeugen unten am Lokrahmen oder Drehgestell. Diese mussten auch neu befüllt werden. Dies erfolgte in der Besandungsanlage.
    Jenachdem ob die Lok einem neuen Einsatz zugeteilt wurde oder nicht, wurde sie auf freie Gleise oder im Lokschuppen abgestellt. Größere BW's hatten hier für eine Drehscheibe, die die Loks in die Richtung der Lokschuppeneinfahrten drehte. Aber diese Drehscheibe wurde auch benutzt, um Loks nur zu drehen, wenn der nächste Einsatz es erforderte, den Zug in die Gegenrichtung zu ziehen, damit die Lok nicht Tender voran laufen mußte. Neben den Drehscheiben, die Größten befinden sich in den USA zum drehen der gewaltigen Big Boy, gibt es aber auch Schiebebühnen, die heute vorwiegend im Einsatz sind. Kleine BW's haben solche Vorrichtungen nicht, da die Lokschuppen nur 2 bis 4 Stände hatten.
    Neben diesen Anlagen gibt es im BW noch Verwaltungs- und Bürogebäude, Werkstätten, Lager- und Nebengebäude und Abstellgleise für Hilfszüge und Sonderwagen.
    Ein BW war eine Stadt für sich und so ist es auch nicht verwunderlich, dass dort auch über 1000 Angestellte tätig sein konnten. Und dies rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.
    Das Personal eines BW konnte jeden Loktyp von der Sache her reparieren. dennoch waren die BW's in der Regel spezialisiert auf einen Loktyp, also Schnellzug- und Personenzuglokomotiven oder Güterzuglokomotiven. Das galt besonders dann, wenn in einem Einzugsbereich mehrere BW's vorhanden waren.
    Außer den normalen Aufgaben eines BW, konnten auch mittlere Reparaturen dort ausgeführt werden, z.B. Fahrgestellteile austauschen, Radlager gießen, Kesselrohre wechseln, Generatoren und Pumpen wechseln. Für größere Reparaturen, die es erforderlich machten Lokomotive zum Teil oder komplett zu demontieren, waren so genannte RAW's zuständig, die in etwa dem Aufbau eines BW entsprachen, aber darüber der Technologie hatten, die eher einer Fertigungsstätte entsprachen. Hier wurden auch die Kesselfristen verlängert, also sozusagen der TÜV durchgeführt, komplette Kessel erneuert, Radsätze ausgetauscht und überholt und Arbeiten an den Fahrzeugrahmen durchgeführt. Sie hatten demnach wesentlich größere Werkstätten und Hallen.
     
  2. Bautechnische Objekte BW

    Ich las jetzt kürzlich einen Bericht, wie es in den amerikanischen Dampflok-BW´s z. B. rund um den Cheyenne-Pass, wo es wohl auch die "Großen Jungs" gab zuging:

    Die Fahrpersonale hatten absolut gar nichts mit Wartung, Anheizen, Entschlacken, Abheizen der Maschinen im BW zu tun. Die kamen zu ihrer Schicht und übernahmen eine fahrbereite Maschine. Zusätzliche Wartungspersonale sorgten in diesen amerikanischen BW´s immer dafür, dass ständig rund um die Uhr - egal ob sie gebraucht wurden oder nicht - eine größere Zahl "Dicke Jungs" einsatz- bzw. sofort fahrbereit waren.

    Amerikanische Dampflokführer erwähnten sehr lobend die sogesehen automatische "Stoker"-Feuerung - Kohle vom Tender in die Feuerbüchse auf dem Transportband - nichts mehr mit Schaufeln.
    Möchte ich mir auch nicht vorstellen, ob bei "von Hand Kohle in die Feuerbüchse schaufeln" dann 3 oder 4 Heizer erforderlich gewesen währen (denkt man daran, dass selbst bei der DB-44-Kohle teilweise 2 Heizer gleichzeitig im Einsatz waren, um das gefräßige Maul des Dampfjumbo´s zu stopfen, damit´s keinen Dampfmangel gab.)
     
  3. Joerg

    Joerg Renommiertes Mitglied

    In den größeren BW's hier in Deutschland, hatte das Lokpersonal auch nur wenig mit der Wartung und Bestückung zu tun.
    Meistens wurden sie sozusagen nur abgegeben und man erhielt sie dann fahrbereit zurück.
    Sicher, zum Bekohlen und Ausschlacken sind sie selber gefahren, aber die Drecksarbeiten erledigten dann doch andere.
    Manchmal hielt sich das Personal für etwas besseres. Sicher kann man das nicht mit heutigem Maßstab vergleichen, denn damals war das Zusammengehörigkeitsgefühl wesentlich größer als heute, wo doch vieles ziemlich anonym zu geht.
     

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