Allgemeine Diskussionen zum Vorbild Materiallager

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Eisenbahn" wurde erstellt von Atlanta, 4. Januar 2018.

  1. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    Auch dieses Thema soll ruhig ein Sammelthema werden, in dem andere Kollegen, ergänzende, themenbezogene Beiträge posten können, so können wir gemeinsam ein interessantes Thema gestalten.

    Vielleicht nimmt der Ein oder Andere sich diesem Thema, bei seiner Ausgestaltung seiner Modellbahnanlage an und stellt Szenen nach, die hier vorgestellt werden.

    Materiallager

    Um Eisenbahnen Bauen und betreiben zu können sind verschiedene Meteriallager zwingend notwendig.

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    Bau der Otavibahn 1906 - Mit freundlicher Genehmigung des Nationalarchivs Windhuk, Namibia

    Hier werden Stahlschwellen und Stahlschienen verwendet, die zuvor aus einem Materiallager entnommen wurden und mit Waggons zur Baustelle transportiert wurden, ebenso die benötigten Kleineisenimmitationen und Schrauben zur Befestigung der Gleise auf den Schwellen und Schienenlaschen zum Verbinden der Schienenprofile miteinander aber auch Werkzeuge, welche man benötigt, um Bahnstrecken bauen zu können.

    Vor über 100 Jahren machte man das mit einem Heer aus Arbeitern, die nicht nur aus der einheimischen Bevölkerung rekrutiert wurden. Heutzutage übernehmen viele Arbeiten, moderne Maschinen. Aber trotz aller Mechanisierungen, benötigt man Materiallager, um die verwendeten Materialien bereitzustellen.

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    Bahnhof Omaruru Regenzeit 1907 - Mit freundlicher Genehmigung des Nationalarchivs Windhuk, Namibia

    Beim Bau des Bahnhofs Omarur, etwa 400 km von der Atlantikküste entfernt, hatte man sich nicht an die Pläne der Eisenbahningenieure gehalten und den Bahnhof an einer falschen Stelle in einer Niederung errichtet, zu dem sollten die Bahnhofsgebäude auf der anderen Gleisseite errichtet werden. Die Quittung für das eigenmächtige Abändern bestehender Pläne erhielt man 1907 während der Regenzeit, wo der Bahnhof geflutet wurde. Hier wurden Gleis- und Brückenbaumaterialien bevorratet, auch gab es ein Stumpfgleis für einen Kran (vorne Rechts im Bild).
     
  2. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    Weiter geht es mit dem Staatsbahn Hauptmateriallager der DSWAE = Deutsch Süd-West Afrikanischen Eisenbahn in Windhuk, der heutigen Hauptstadt von Namibia.

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    DSWAE und DKEV Hauptlager in Windhuk - Mit freundlicher Genehmigung des Nationalarchivs Windhuk, Namibia

    Rechts die Gleise der DKEV = Deutsche Koloniale Eisenbahn Verwaltung der Ebenfalls staatlichen Nord-Süd Bahn, welche mit 1067 mm Kaplandspur die Hauptstadt Windhuk mit der Lüderitzbucht verbindet, wo 1888 die Kolonie als Schutzgebiet erklärt wurde und von wo aus die deutsche Besiedelung ihren Ursprung hatte.
    Links die Gleise der staatlichen DSWAE = Deutsch Süd-West Afrikanischen Eisenbahn in 600 mm Feldspur, die spätere „Regelspur" für Bahnen in deutschen Kolonialgebieten bei staatlichen Hauptbahnen ab 1912.

    Das Hauptmateriallager beider Staatsbahnen wurde über die Lüderitzbucht und dem dortigen Tiefwasserhafen versorgt.
    Die DSWAE wurde aber ab 1896 von Swakopmund aus gebaut und im Jahr 1902 erreichte man erst die Hauptstadt Windhuk, die DKEV Bahnstrecke erreichte die Hauptstadt erst einige Jahre später. Bis Karibib wurde aber die DSWAE auf 1067 mm umgespurt in dem nur eine dritte Schiene verlegt wurde, so daß Mischbetrieb in zwei Spurweiten stattfinden konnte. Auch die 1908 erbaute Verbindungsbahn zur Otavibahn und deren unterer Teilabschnitt bis Usakos wurde auf 1067 mm umgespurt. Die dafür notwendigen Gleisbaumaterialien wurden über die Hauptstadt Windhuk bezogen.

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    Schienenlager der Orange & Alexandria Railroad um 1863 - Mit freundlicher Genehmigung der US Library of Congress

    Dieses Schienenlager in Alexandria Versorgte die O&A RR während des Bürgerkrieges (1861 bis 1865) und darüber hinaus.

    Vor 1878 war die 5' Fuß Spur mit 1524 mm die „Regelspur" bei vielen Bahnen in den USA, 1878 mußten die Bahnen auf die jetztige Regelspur von 1435 mm umgespurt werden. Die Umspurungen konnten bei vielen Bahnen innerhalb weniger Monate vollzogen werden.

    Für die Modellbahn kann man aber beruhigt kleinere Schienenlager anlegen, die entlang von Bahnstrecken irgendwo zu sehen sind.

    Während der früheren Epochen war es an Haupt- und Nebenbahnen üblich, gegen Nässe von unten geschützt, Schienenprofile für Ausbesserungsarbeiten, bereitzuhalten, die in regelmäßigen Abständen entlang der Bahnstrecken, auch außerhalb von Bahnhöfen, gelagert wurden. Hierzu verwendete man Schwellenstapel auf denen im 90° Winkel zu den Bahngleisen einzelne Schienenprofile in verkürzter Form montiert oder lose aufgelegt wurden und darauf dann parallel zur Bahnstrecke die Schienenprofile in geringen Mengen bis ca. 30 Stück gelagert wurden. In Kisten oder Fässern befanden sich in Wachspapier eingewickelt die Schrauben oder auch die Schienenlaschen. Bilder hierzu habe ich leider nicht.
     
  3. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    Zu modellbahnerischen Umsetzung kann man ein Flexgleis in zehn gleichlange Stücke zerlegen, so erhält man 20 gekürzte Schienenprofile, zwei davon werden noch einmal halbiert und im 90° Winkel zu den Streckengleisen so angeordnet, daß die 18 anderen Schienenprofile darauf gelagert werden können.
    Die Verbindungsstelle der Schwellenroste können mit einem scharfen Messer abgeschnitten werden, die Kleineisenimmitationen werden weggefeilt oder mit Sandpapier abgeschmirgelt.

    Die Schwellen können auf einem Haufen oder gestapelt verwendet werden oder zu sonstigen Verwendungen aufgehoben werden, für selbstgebaute Schüttbahnsteige, eignen sich Schwellen als Bahnsteigkanten.

    Schwellen und Schienenprofile vor dem Aufbau noch entsprechend anmalen dann aufkleben, Wildkräuter wie Brennesseln oder Brombeeren noch entsprechen platzieren und fertig ist die Szenerie zur mehr realistischen Modellbahn.

    Nahezu jeder Modellbahner, hat irgendwelche Materialien, welche in irgendwelchen Kisten schlummern und nun zur Ausgestaltung eine neue Anwendung finden können.
     
  4. rayman

    rayman Renommiertes Mitglied

    Ergänzend dazu: In den USA gab es im Laufe der Eisenbahngeschichte bis zu 12 verschiedene Spurweiten die parallel verwendet wurden. 1435mm wurde im Jahr 1863 im Pacific Railway Act als Standard für US- Eisenbahnen festgelegt. Neben der Regelspur von 1435mm wurden u.A. verwendet:
    6 ft.(1829mm) bei der New York & Erie RR (Umspurung zwischen 1878 und 1880)
    5ft,6inch(1676mm) bei der Grand Tunk Ry, der Maine Central und der New Orleans, Opelousas and Great Western Railroad. Bis in die 1960er Jahre existierte ein 104 Meilen langes Netz dieser Spurweite parallel zur Normalspur im Großraum San Francisco.
    5ft,2 1/2inch (1588mm) wird noch heute bei einigen Nahverkehren verwendet. z.B. in New Orleans
    Die von Ingo erwähnte 5ft Spur (1524mm) war vor allem im Süden der USA verbreitet. Sie fand später Verwendung in Russland und ist seitdem als Russische Breitspur bekannt. Nachdem 1884/85 die beiden größten Gesellschaften ihre Strecken auf 1435mm umgespurt hatten, erfolgte in einer Hau-Ruck- Aktion zwischen dem 31. Mai und 1. Juni 1886 die Umspurung der restlichen Strecken auf 4ft 9inch (1448mm) . So konnten Fahrzeuge für Standart Spur in dem Gebiet verkehren und das vorhandene Breitspur Material mit geringfügigen Anpassungen weiter verwendet werden.
    4ft 10inch (1473mm) wurde fast ausschließlich Ohio verwendet
    Schmalspurbahnnetze finden heute noch bei den Nahverkehren von Washington, Los Angeles oder San Diego verwendung. Die bekanntesten dürften jedoch die Netze der Denver & Rio Grande Railroad ( Umspurung und tw. Stillegung in den 1950er Jahren) und der White Pass & Yukon Ry (914mm Spurweite) gewesen sein. Mehrer Museumsbahnen verwenden die Strecken noch heute.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2018
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