Betriebsablauf Mechanisches Stellwerk für kleinen Bahnhof

Dieses Thema im Forum "Betrieb" wurde erstellt von Atlanta, 30. Mai 2019.

  1. lok527596

    lok527596 Vollbluteisenbahner Mitarbeiter

    Hallo Zusammen

    Die deutsche Eisenbahn und Ihre Verordnungen bzw. Gesetzte verlangten schon immer ein Querlesen. Was in einem Ablauf nicht beschrieben steht und durch ein Querlesen in anderen Regelwerken nicht erlaubt ist gibt es auch nicht :D . Es ist manchmal verwirrend in dem komplexeren System Eisenbahnsignalordnung und der Fahrordnung den gemeinsamen Zusammenhang zu finden.
    Nur mal kurz dazu in der heutigen Zeit: Der Eisenbahnbetrachter sieht nur ein Signal welches Rot oder Grün zeigt. Daran hängt aber folgende Abläufe bzw Gesetze und Verordnungen:
    1. Die Ril 301 sprachgebräuchlich Signalbuch (Verordnung) definiert einfach nur das Signal mit einem Kurzbegriff, Funktion:
    Hp0 =Ein rotes Licht= Halt für Zug und Rangierfahrten
    Hp1 = Ein grünes Licht= Fahrt
    2. Das Regelwerk / Fahrdienstvorschrift (Verordnung) regelt das Verhalten des Zugpersonals im Zusammenhang Zug / Signale
    3. Die Eisenbahnsignalordnung ( Gesetz) regelt das Aussehen und die Art der Funktion
    4. Eisenbahn Bau und Betriebsordnung ( Gesetz) regelt den Betrieb, den Bau und die Sicherheit der Bahn
    5. Allgemeines Eisenbahngesetz regelt die Grundsätze der Eisenbahn und deren sicheren Betrieb sowie die Gesetzte und Verordnungen niedrigeren Ranges (EBO;ESO etc.
    6. Die Internationalen Abkommen

    Mit Einführung der Eisenbahnen in Deutschland gab es eine Vielzahl an Eisenbahnverwaltungen im Norden Deutschlands eher auf Privater Basis und im Süden eher auf Staatsbasis. 1847 gab es dann den "Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen" die schon erste Regeln vereinbarten um den Betrieb "besser" zu gestalten. Die erste "Signalvorschrift" in Deutschland – die von der Versammlung Deutscher Eisenbahntechniker zu Berlin im Februar 1850 aufgestellten Grundzüge für die Gestaltung der Eisenbahnen Deutschlands – hatte sich in der Zahl der Signalbegriffe eine weise Beschränkung auferlegt. Sie stellte ihrer 10 auf. Bei der weiteren Entwicklung des Eisenbahnsignalwesens nahm die Zahl der Signalbegriffe, die man durch besondere Signalzeichen auszudrücken suchte, immer mehr zu. Auszug:

    Als Signalbegriffe kommen hauptsächlich in Betracht die Befehle »Halt«, »Fahrt frei« und »Langsam fahren«, ferner Mitteilungen über den Lauf der Züge und Hinweise auf den Zustand der Bahn. Mitteilungen über den Lauf der Züge enthalten z.B. die Signalbegriffe: »Ein Zug fährt in der Richtung von A nach B«, »Zugverkehr ruht«, »Ein Sonderzug folgt nach«. Den Zustand der Bahn betreffen die Signalbegriffe: »Die Weiche steht auf dem krummen Strang«, »Die Telegraphen- und Fernsprechleitung ist zu untersuchen«.

    Die Signalbegriffe, die den Zustand der Bahn anzeigen, decken und vermischen sich zuweilen mit denen, die »Halt« und »Langsam fahren« ausdrücken.

    In der Fahrordnung für Lokführer steht unter anderem drin :
    Ausfahrt aus der Stadion (Bahnhof) §25 der Fahrordnung :Es darf kein Zug ohne Erlaubnis des diensttuenden Stationsbeamten ausfahren.......... darf nicht erlaubt werden solange nicht festgestellt ist das vorausfahrende Züge die nächste Station erreicht haben.......
    Fahren auf der Strecke : bei schlechter Sicht ist der Zug anzuhalten...... Haltsignale der Wärter ist Folge zu leisten ......
    Einfahrt in eine Station : Hier regelt ein Signal nur ob die "Einfahrt" oder die "Weiterfahrt" (Durchfahrt) erlaubt ist !! ( Es gibt hier keine Definition Halt)
    Weiterer Ausführungen in der Fahrordnung regeln das Verhalten des Zugpersonales zum Halt in der Station und in wie weit die Regeln sind bei Abweichungen .

    Aus diesen Ausführungen ergibt sich in wie weit die Erlaubnis einer Zugfahrt gilt, Wann der Zug abfahren darf und aus welchem Grunde Halt ist. In der frühen Eisenbahnzeit gab es keine Bremssysteme wie die heutigen Züge haben und somit war Bremsen eine große Aufgabe und auch klar geregelt.

    Ich hoffe mit den wenigen Sätzen die Komplexität aufgezeigt zu haben so das Ihr seht das nicht nur ein Bild oder eine Vorschrift zu Rate gezogen werden kann.
     
    Atlanta und RS1 gefällt das.
  2. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Stephan,

    besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

    Ich verweise selber gerne auf ergänzende Regelwerke und andere Vorschriften jener Zeit.
    Als "außenstehender" Laie kann man sich zwar verschiedene Regelwerke anschauen, zu behaupten aber nur eines sei explezit gültig kann man aber nicht.

    Klassischer Fall, der auch schon in anderen Eisenbahnforen für viel Diskussionen geführt hatte:

    Lok nähert sich einer L-Tafel, hat aber keine Glocke, wie ist zu verfahren?

    a) ignorieren
    b) pfeiffen

    Früher achtete man beim Start einer geplanten Zugfahrt, daß nur Fahrzeuge auf Strecken eingesetzt wurden, für die es auch die nötigen Warneinrichtungen gab.

    Glocken sind aber keine standardmäßige Grundaustattung von Lokomotiven, die wurden bei Bestellung oft mitgeordert, wurde es mal vergessen, wurden Läutewerke oder Glocken nachgerüstet oder dem Betriebspersonal Handglocken ausgehändigt.

    Der Lokführer ist angewiesen Signal zu geben, hat er keine Glocke zur Verfügung ist ein kurzer Pfiff auch zulässig, um dieser Fahrdienstvorschrift genüge zu tuen.

    Antwort b) pfeiffen ist richtig.

    Vielfach wurden aber L-Tafeln durch P-Tafeln ergänzt, um wahlweise ein Signal abzugeben oder in Kombination aus beidem.

    Es gibt beide Schilder in verschiedener Kombination also über- und nebeneinander, welche der Kombinationen aber jetzt für den wahlweisen Einsatz beider Signaleinrichtungen steht, entzieht sich meiner Kenntnis.

    LG Ingo
     
  3. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Harald,

    bezüglich der Blockstation mit Kreuzungsgleis und nur einer Weiche:

    Solche Stationsformen hat es bei eingleisigen Bahnstrecken gegeben, bei denen größere Bahnstationen weiter voneinander entfernt waren.
    Ich beziehe mich da auch auf Eisenbahnen anderer Nationen, wie in den USA bei diversen Bahngesellschaften, Rußland bzw. Sovietunion, Kolonialbahnen verschiedener Nationen. Zeitlich im 19. Jahrhundert, was unserer Epoche I entspricht.
    Das Buch "Der Eisenbahnbau" in 5 Bänden und Drucklegung von 1892 der Ingenieurwissenschaften beschreibt solche Ausweichstellen.
    Bei den dort gezogenen Vergleichen werden allerdings nur einige deutsche und internationale Bahnen herangezogen darunter 3 namhafte Gesellschaften in den USA.

    Leider ist die Stadtbibliothek geschlossen, um mir die Bücher zur Ansicht in den Lesesaal zu bestellen.
    Glücklicherweise darf ich aber Seiten abfotografieren, da die Bücher den Lesesaal Zwecks Fotokopieren nicht verlassen dürfen.

    LG Ingo
     

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