Betriebsablauf Modellbahnbetrieb

Dieses Thema im Forum "Betrieb" wurde erstellt von Tohu01, 8. Juli 2006.

  1. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Jörg,

    In einer Zeit, als brauchbare Computer noch unheimlich groß und eine für heutige Ansprüche "lächerliche" Rechenleistung besaßen und mit Hilfe von ASC I oder ASC II codes via Lochstreifen oder Lochkarten Steuer- und Rechenbefehle erteilt wurden und nur einfache Listen gedruckt werden konnten...da kam es ab und an mal vor, daß sich Bahnmitarbeiter mit solchen Listen auf den Weg machten, um abhanddngekommende Wagen zu suchen.

    Als ich 1986 mein Praktikum bei der Bahn machte und 1990 vor der Bundeswehr dort im Hgbf bzw. dem Gbf Rothenburgsort zugeteilt war, schickte mich mein Vorgesetzter, ausgestattet mit Listen zur Erfassung von Wagennummern zum ehemaligen Berlin Bf in Billwerder-Moorfleet in Hamburg los, um dort zur Reperatur anstehende Schadwagen, welche in der Werkstatt Nettelnburg instandgesetzt werden sollten, in den Bestandslisten zu erfassen.
    Mein job war es nicht nur Wagennummern aufzuschreiben, sondern auch zu kontrollieren, ob die Wagen auch leer waren, was nicht immer der Fall war.
    In diesem Fall hatte ich die Befugnis, die Wagen zur Entladung zum Bergedorfer Gbf zu verbringen und aus dem Wagenveband herausrangieren zu lassen. Das Weststellwerk hatte andere Aufgaben zu bewältigen und durfte dafür möglichst nicht genutzt werden. Im Oststellwerk hingegen ruhten sich zwei Stellwerker aus, da war fast nie etwas los, außer ich sorgte für einen arbeitsreichen Tag.
    Ein schönes, etwas größeres rein mechanisches Stellwerk mit über 40 Weichen- und Signalhebeln, daher auch die 2 Mann Besetzung.
    Deren Verantwortungsbereich galt bis zum Bergedorfer Gbf inklusive der Werkstatt in Nettelnburg. Das Stellwerk Nettelnburg befand sich im Werkstattgebäude in einem ebenerdigen Stellwerksraum.
    Dort befand sich aber nur ein Weichenwärter.
    Bahnhof Bergedorf gehörte zur Museumsbahn der Güterschuppen aber zur DB und auch das dortige Stellwerk mit einem Fahrdienstleiter.
    MBOF hatte ebenfalls einen Fahrdienstleiter und einen zweiten Stellwerker als Unterstützung. Dort taten Eisenbahner ihren Dienst, die kurz vor der Pensionierung standen.
    Zu tun gabs zu 90 % ihrer Dienstzeit nichts, außer in 12 Stundenschichten die Zeit absitzen.

    Bei der Aufnahme von Schadwagen staunte ich nicht schlecht, als ich drei gleiche Wagennummern hatte bei aber unterschiedlich alten Fahrzeugen.
    Die Recherchen hierzu ergaben, daß die ÖBB einen der Wagen, so lange nicht zurückgab, bis ernsthaftere Reperaturen notwendig waren wine Achse des G Wagens war aufgebockt auf einem provisorischen Drehgestell. Von der Radscheibe existierte nur noch etwa 2/3 und wegen extremen Funkenflug wurde der Güterzug nach Hamburg Maschen kurz nach Unterlüß der Direktionsgrenze im Süden von Hamburg gestoppt und der Schadwagen aus dem Zugverband herausrangiert bzw. Mit einem Kranwagen herausgehoben.
    Die Feststellbremse war angezogen gewesen.
    Der andere Wagen befand sich im Gebiet der DR Ost und galt als verloren.
    In beiden Fällen wurde die Numner nach der Löschung Neu vergeben.
    Wagen die nach Österreich oder in der DDR verschwanden, wurden von der DB meistens abgeschrieben. Speziell Österreich war dafür bekannt Wagen für längere Zeit in Beschlag zu nehmen, daher wurden trotz UIC Abkommen, Frachtgüter umgeladen wo dieses möglich war. Wagen aus Österreich kamen zudem meistens in einem denkwürdigen Zustand nach Westdeutschland, die wollte man schnell wieder loswerden und am Besten, bevor der Wagen repariert oder in Revision gehen mußte.
    Bei Wagen aus Griechenland oder der anderen Balkanstasten sah es genauso aus...lediglich Tschechien schickte Wagen in Tiptop Zustand über die Grenze.

    Ich durfte mich bei einigen meist mechanischen Stellwerken nicht sehen lassen, um nicht mit Wurfgeschossen jeglicher Art eingedeckt zu werden.
    Zum Zurückschmeißen erwiesen sich Schottersteine als wirkungsvolle Waffe in ausreichender Menge und zerdepperte Glasscheiben brauchte ich nicht im Übergabebuch zu erklären.
     

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