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Dieses Thema im Forum "Anfänger, Umsteiger und Fragen" wurde erstellt von Mike893, 9. November 2020.

  1. Mike893

    Mike893 Neues Mitglied

    Hallo

    Ich habe von meinen Vater eine etwas größere Modelleisenbahn von Fleischmann in H0 geerbt.
    Diese möchte ich jetzt mit meinen Sohn wieder aufbauen.
    Dabei gibt's zwei Probleme das Modellgleis möchte ich weg haben und die alten Loks ( sind alle aus den 70er Jahren) digitalisieren.
    Da ist die Frage ob sich das rentiert mit digitalisieren.
    Als neues Gleis steht in Frage das Tillig Standard Gleis, Roco Line ohne Bettung oder Piko A wegen der höheren Spurkränze der alten Loks und Wagons
    Als Digitalzentrale wäre die Z 21 in Planung
    Die Größe der Anlage wird ein L in 3,5m x 3,5 m Tiefe 1,2 m siehe Bilder im Anhang so ähnlich wird sie aufgebaut
     

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  2. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin oder Servus Mike,

    "Neupreußen" im tiefen Herzen Bayerns? Das "kratzt" gewissermaßen am "Nationalstolz" deiner sehr "heimatverbundenen" Landsleute. Über den Namen solltest du dir da vieleicht noch etwas Gedanken machen...vom Anlagenkonzept ist diese Anlage aber perfekt ausgestaltet und interessant.

    Zunächst einmal etwas grundsätzliches, was viele Modellbahner gerne mal vergessen, die berühmt berüchtigte "Eingreiftiefe". Ein Mensch hat im mittleren Durchschnitt eine Armlänge von etwa 80 cm, nicht jeder ist über 2 m groß und hat eine Armlänge von 86 cm oder aufwärts.
    Du solltest, wenn du vor deiner Anlage stehst noch überall bequem herankommen können, damit ist gemeint, ohne sich zu verrenken zu müssen auch mal an Stellen Fahrzeuge aufgleisen zu können, die immer da entgleisen, wo man am schlechtesten rankommt.
    Einer deiner Anlagenschenkel hat 100 cm Breite, da wird es etwas problematisch mit der durchschnittlichen Eingreiftiefe von im Ø 80 cm.
    Du hättest also im hinteren zur Ecke nach links gelegenen Bereich Probleme, auch weiter hinten, im Störungsfall an Fahrzeuge heranzukommen.

    Zu den Gleissystemen:
    Das von GFN (Gebrüder Fleischmann Nürnberg) hat etwa Code 110 = 2,7 mm Profilhöhe das Profigleis dürfte aber Code 100 = 2,5 mm Profilhöhe betragen.
    Es ist im Grunde genommen ein recht robustes und gutes Gleissystem, gilt aber als veraltet, ist aber für Boden- oder Teppichbahner gut geeignet und auch für den häufigen Auf- und Abbau gut geeignet.

    Bettungsgleise sind eher für den nicht stationären Einsatz geeignet, können aber trotzdem auch dort verwendet werden.

    Du sprachst die höheren Spurkränze älterer Fahrzeuge an, da käme es auf ein Nachmessen der Spurkranzhöhe bei den Lokomotiven an, für die Wagen gibt es Tauschradsätze im erschwinglichen Rahmen, welche es in Massenware zum günstigeren Preis gibt, falls man die Spurkranzhöhe ändern möchte.

    Bei Lokomotiven wird das aber unter Umständen problematischer und teurer, besonders bei Dampfloks, dort die Spurkranzhöhe zu ändern.

    Glücklicherweise gibt es aber auch Gleishersteller, welche noch Gleise in Code 100 = 2,5 mm herstellen, die Firmen Atlas, ME = Micro Engineering, Peco, Piko, Roco, Shinohara, Tillig und Walthers fallen mir da auf Anhieb ein.

    Die hierzulande einfach zu beschaffenden Gleise in Code 100 = 2,5 mm unterscheiden sich aber stark voneinander.

    Nicht jeder dieser Gleishersteller hat auch alle benötigten Sonderbauformen von Gleisstücken, Weichen und Kreuzungen.

    Manche Gleishersteller bieten aber auch nur Flexgleise, Weichen und Kreuzungen an oder wie ME = Micro Engineering nur Schienenprofile zum Selbstbau von Gleisen jeglicher Art.

    Atlas aus den USA bietet in Code 100 = 2,5 mm recht günstig über US Importeure zu beschaffende Gleise ohne Bettung an, die Schwellenteilungen entsprechen aber dem US Vorbild, es gibt aber Kreuzungen bis 90°.

    ME = Micro Engineering bietet nur Schienenprofile und Herzstücke und Weichenzungen an, zum Selbstbau von Gleisen.

    Peco aus England kann man über Weinert recht günstig bekommen, es entspricht zwar dem englischem Vorbild, ist aber dennoch gut einsetzbar für deutsche Anlagen, in der Beschaffung auch recht günstig zu bekommen, es gibt es in zwei verschiedenen Versionen, einmal als Insulfrog = isolierte Herzstücke und Electrofrog = leitende Herzstücke, letztere sind beim Digitalbetrieb empfehlenswerter.

    Piko hat bei seinem A-Gleis ein ziemlich einfache Gleisgeometrie zu Grunde gelegt, fertigt die Schienen aber mit einem schmäleren Schienenkopf und Schienenfuß, um sich so der UIC 60 Schiene im Modell anzunähern.

    Roco Code 100 = 2,5 mm gilt schon seit längerer Zeit als Auslaufmodell, durch jedoch sehr hohe Lagerbestände ist es aber wohl noch längere Zeit erhältlich. Die Herzstücke können auf einfache Weise polarisiert werden, Falls der Bedarf besteht.

    Shinohara ist ein japanischer Hersteller der sonst nur Code 70 = 1,8 mm Gleise herstellt, die für NEM Radsätze nicht mehr befahrbar sind, die Code 100 = 2,5 mm Gleise werden ausschließlich nur für Walthers in den USA gefertigt und unter dem Namen Walthers vertrieben.

    Tillig Standard Gleise in Code 100 = 2,5 mm werden hingegen vom Tillig Elite Gleis abgelöst, welches in Code 80 = 2 mm gefertigt ist. Bei beiden Gleissystemen aus dem Hause Tillig sind aber nicht alle Weichenbauformen erhältlich, so daß man zwangsläufig auf andere Hersteller zurückgreifen muß.

    Walthers läßt sich über US Importeure auch in Deutschland erhalten, das von Shinohara in Japan gefertigte Gleis verfügt wie das Piko Gleis über einen etwas schmäleren Schienfuß und Schienenkopf, es gibt aber keine gebogenen Gleisstücke, diese muß man sich aus Flexgleisen selber herstellen, dafür ist aber die Auswahl an Schienenprofilhöhen Weichen und Kreuzungen sehr groß, besonders was die sehr schlanken Weichen mit Herzstückwinkeln unter 12° anbetrifft.

    Weichen und Kreuzungen haben Herzstücke, bei denen eine Schiene die andere Schiene durchkreuzt, dieser Kreuzungswinkel wird in ° Grad angegeben.

    Viele Hersteller nutzen Herzstückwinkel von 15° bei Standardweichen und Kreuzungen bei 15°, 30° und 60° je nach Einsatzzweck.

    Peco verwendet ein einheitliches Herzstück mit 12° Kreuzungswinkel der in allen drei Weichenlängen vorliegt, kurze Bauform, mittlere Bauform und lange Bauform. Kreuzungen gibt es je nach Bauform in 12°, 24° und 48°.

    Bei den US Weichenherstellern werden nicht die Kreuzungswinkel angegeben sondern das Abzweigverhältnis als Beispiel: Weiche der Göße #5 hat ein Abzweigverhältnis von 1:5 was etwa 12° entspricht.
     
  3. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Und gleich weils so schön war, hier der 2. Teil.

    Will man streng nach deutschem Vorbild bauen bräuchte man mindestens ein Abzweigverhältnis von 1:9 was einer US Weiche der Größe #9 ziemlich nahe kommt, das Herzstück hätte dann aber einen circa 6,3° Winkel. Der benötigte Platz den diese Weichenbauform mit sich bringt ist schon sehr gewaltig und eignet sich in den allermeisten Fällen nicht für eine stationäre Anlage.
    Modulbauer sind da aber klar im Vorteil, die bauen nur kurze Ausschnitte einer Gesamtanlage und arrangieren größere Anlagen bei Treffen in großen Hallen mit durchaus sehr interessanten Gleisverläufen.

    Bei FREMO werden Bauvorgaben gemacht, wie Weichengrößen und zu verwendende Mindestradien.
    Weichen sollten ein Mindestabzweigverhältnis von 1:7 haben und die Kurvenkrümmung darf den Mindestradius von 800 mm nicht unterschreiten.

    GFN, Roco und Piko verwenden für Weichen die 15° Herzstücken, die Schnellfahrweichen von Roco gibt es aber mit 9,3° bis 10° Herszstückwinkel, die auch für stationäre Anlagen eher ungeeignet sind, weil sie ziemlich Platzintensiv sind.

    Ein weiterer zu beachtender Aspekt ist die Leitfähigkeit der Herzstücke, diese ist bei vielen Gleisherstellern nicht vorhanden und man verwendet Herszstücke aus Plastik oder wahlweise, nachträglich polarisierbare Herzstücke.

    Beim digitalen Fahren, kann ein stromloser Abschnitt von einigen Digitalen Zentralen als anliegender Kurzschluß fehlinterpretiert werden, was dann mit der Sicherheitsabschaltung des gesamten Systems belohnt wird und zu viel Frust beim Modellbahner sorgt. Dieses kann vermieden werden, wenn man gleich von vorn herein, nur polarisierbare also elektrisch leitende Herzstücke verwendet.

    Beim Umschalten der Weiche, wird über einen Wechselschalter (Relais) das Herzstück entsprechend der Weichenstellung umgepolt.

    Ein Überfahren der Weichen von der "stumpfen" Seite, also vom Herzstück in Richtung Weichenzunge, bei falsch gestellter Weiche und damit verbundenem "Aufschneiden" der Weiche sollte im Digitalbebetrieb unbedingt vermieden werden, weil man dadurch, wegen der polarisierten Herzstücke, einen Kurzschluß erzeugt, den die Zentrale oder die verbauten Dekoder zerstören oder schädigen könnte. Kurzschlüsse jeglicher Art müssen vermieden werden.

    Um Signale, welche du zwar analog beschalten möchtest, aber von der Zentrale erkannt werden sollen, damit sie die digitalisierten Fahrzeuge vor den Signalen anhalten können, benötigst du für jedes Signal einen Signaldekoder.

    Ich selber will meine Signale und Weichen rein analog, mechanisch, über eine funktionierende Hebelbank ansteuern, benötige hierfür aber auch einen Signaldekoder, den meine Digitalzentrale über den Stellzustand des Signals informiert.

    Beim Umbau älterer Fahrzeuge muß man sehen, wo dort noch ein Fahrdekoder oder ggfs. ein Sounddekoder nebst Lautsprecher hineinpaßt.

    Empfehlenswert währe es eine DSS = Digital Schnitt Stelle einzulöten, denn dann könnte man Fahrdekoder ggfs. auch mal wechseln, sofern es erforderlich wird.

    Beim nachträglichen Digitalisieren von Fahrzeugen muß man sich immer den Aufwand vor Augen halten, lohnt es sich noch oder ist der Arbeitsaufwand zu groß.

    Was würde mich das kosten?
    Wie geschickt bin ich beim Löten?
    Traue uch mir das selber zu?
    Muß ich das eventuell in Auftrag geben?
    Welcher Dekoder soll es sein?

    Die Z21 von Roco/GFN ist eine DCC Zentrale also solltest du auch DCC Dekoder verwenden.
    Von Multifunktionsdekodern = MFX (die sollen auch DCC verstehen können) kann ich nur abraten, nicht daß sie schlecht wären aber es kann zu Problemen kommen, dann wäre dieses eine erstmal nicht einsetzbare Lok bis der Dekoder getauscht wurde.

    Einfache Fahrdekoder gibt es schon für wenig Geld z.B. bei Hela Modellbahn aus Ahrensburg, ein Geheimtip auch für Gebaudebausätze und Preiser Figuren, die anderswo schon vergriffen sind.

    Ob die Lenz'sche ABC Technik von Nöten ist mag Geschmachsache sein, ich nutze sie nicht.
    Dabei geht es um eine Anfahr- und Bremsverzögerung, die die Modellbahnfahrzeuge wie beim Original auch simulieren sollen.
    Lange, schwere Züge haben anderes Anfahr- und Bremsverhalten als kürzere Züge.

    Das Beschalten der Weichen kann mit einfachen Servos oder Doppelspulen Magnetantrieben erfolgen, empfehlenswert sind die Servos unter der Anlage mit dem Federstelldraht der die Weichenzunge in der Endlage hält.
    Verwendest du bei Pecoweichen den Servo Antrieb, dann mitte vorher die kleine Feder and der Stellschwelle der Peco Weichen ausbauen, einfach mit einer Spitzzange herausziehen.

    Die Weichenservos gibt es mit Umschaltkontakt, der wird benötigt, das Herzstück zu polarisieren.

    Solltest du noch eine große Fleischmann Drehscheibe haben, dann kannst du die Gleisabgänge einfach tauschen, von Roco gibt es welche für das Code 100 = 2,5 mm Gleissystem, sollten die nicht mehr erhältlich sein, gingen aber auch die Gleisabgänge der GFN Messinggleise, Übergangsschienenverbinder gibt es von diversen Anbietern, die den benötigten Höhenausgleich vornehmen können.

    Viel zu lesen aber ich hoffe dir etwas weitergeholfen zu haben.

    Schönen Gruß,

    Ingo
     
  4. Mike893

    Mike893 Neues Mitglied

    Vielen Dank für die vielen Tips. Natürlich bekommt die Anlage an bayrischen Namen.
     

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