Allgemeine Diskussionen zum Vorbild Trennungsbahnhöfe

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Eisenbahn" wurde erstellt von Atlanta, 4. Mai 2020.

  1. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    in einem Paralleluniversum hatte ein Student erhofft Hilfestellungen bei der Lösung seiner Hausaufgaben zu bekommen.

    Er wurde sprichwörtlich von den anderen Modellbahnern, niedergemacht aber an Hilfestellungen dachte Niemand.

    Mich ließ diese Thematik der dürftigen Aufgaben Informationen aber nicht los:

    "Planen Sie einen Trennungsbahnhof und kalkulieren Sie Personen- und Güteraufkommen und erstellen Sie einen Fahrplan."

    Nähere Informationen standen nicht zur Verfügung.

    Dieses läßt Raum für mehrere Annahmen und Möglichkeiten.

    Von einem Studenten wird vermutlich erwartet, alle Varianten und Möglichkeiten zu erkunden und gegenüberzustellen und die Vor- und Nachteile detailiert aufzuzeigen, um so die optimalste Variante zu ermitteln?

    Nun gut, ich bin zwar kein Student im beruflichen Sinne, findes es aber als Hobbyist eine interessante Aufgabe, denn Trennungsbahnhöfe spiegeln eigentlich des deutschen Modellbahners Lieblingsthema am besten wieder, Bahnhof mit abzweigender Bahnstrecke. Ob Haupt- oder Nebenbahn, lassen wir mal dahingestellt.

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    Mir bisher eingefallene, mögliche Abzweigvarianten eines einfachen Abzweigs.

    Rechtsverkehr bei zwei Gleisen ohne gegenläufige Signalisierungen.

    Was für Möglichkeiten an Bahnverkehr gibt es überhaupt?
    1.) Eingleisiger Bahnverkehr mit Gegenverkehr
    2.) Zweigleisiger Bahnverkehr ohne Gegenverkehr
    Außer Beachtung geblieben
    3.) Mehrgleisiger Bahnverkehr als zwei parallele, eingleisige Bahnstrecken
    4.) Mehrgleisiger Einrichtungsverkehr
    5.) Mehrgleisiger Zweirichtungsverkehr
    6.) Abzweigtrennungen in mehr wie eine Richtung
    7.) Abzweigtrennungen verschiedener Traktionsantriebsarten und/oder Spurweiten

    Die Liste läßt sich noch beliebig erweitern.

    Man sieht also schon, es wird ein ziemlich komplexes Thema, will man alle Möglichkeiten aufführen.

    Bleiben wir aber erstmal bei den nur drei Richtungen A, B und C.

    Da über Rahmenbedingungen nichts weiter bekannt ist, hat man die Freiheit eigener Annahmen.

    Nun stellt sich die Frage, wo sollen Zugbegegnungen stattfinden?

    I) In Bahnhof A vor dem Trennungsbahnhof
    II) In Bf B hinter dem Trennungsbahnhof
    III) In Bf C hinter dem Trennungsbahnhof
    IV) In allen drei Bahnhöfen außer dem Trennungsbahnhof
    V) Im Trennungsbahnhof in Richtung A
    VI) Im Trennungsbahnhof in Richtung B
    VII) Im Trennungsbahnhof in den Richtungen B und C

    Nun stellt man sich die Frage wo man Bahnsteige plazieren möchte?

    Als nächstes stellt man sich die Frage, wo sich Güterbehandlungsanlagen befinden sollen und ob eventuell Güterzüge zerlegt und neu zusammengestellt werden müssen?

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    Hanover Junction, VA 1863 - Bild mit Genehmigung der US Library of Congress

    Weiter hinten auf der linken Seite befindet sich noch ein Lokschuppen und ein örtlicher Güterschuppen.

    Bei diesem Bahnhof sind Zugbegegnungen nicht möglich.

    Ein Keilbahnhof wäre eine gute Idee einen Trennungsbahnhof zu realisieren.

    Auch ein Keilbahnhof kann ein möglicher Endpunkt einer Bahnlinie sein, wenn zur anderen Seite eine Nebenstrecke abzweigt oder die Hauptstrecke über eine andere Trassierung weitergeführt wird?

    Um aber Fracht- und Güterverkehrsaufkommen zu kalkulieren, müßten Vorgaben über mögliche Anschließer oder Großgüterkunden bekannt sein, die regelmäßig Wagen für den Versand benötigen.

    Bei der Berechnung des Passagieraufkommens muß man ebenfalls ein paar Vorgaben haben oder selbst Annahmen stellen und einfach bestimmen, was für Zugkategorien halten sollen oder ob der Bahnhof ein Umsteigebahnhof ist.

    Wo liegt der Bahnhof?
    Im ländlichen Raum
    Bei einer Kleinstadt
    In der Großstadt

    Was für Züge sollen halten?
    – alle Züge
    – Nahverkehr
    – Eilzugverkehr
    – D-Züge
    – Fernstreckenverkehre
    – Internationale Züge

    Für frühe Epochen war es noch wichtig, zu wissen welche Wagenklassen bedient werden sollten, bis zu vier standen zur Verfügung.
    In den frühen Epochen wurden Bähnhöfe mit festen Ankunft- und Abfahrseiten errichtet, Züge wurden beim Stationsaufenthalt Notfalls umgesetzt.

    In den frühen Epochen war die Rechtsprechung anders als heutzutage, so war es den Eisenbahngesellschaften untersagt, Publikum auf Bahnsteige oder in Ladezonen zu lassen, wenn Bahnverkehr stattfand. Zugbewegungen und Rangierverkehr durfte nur bei geräumten Bahnsteigen stattfinden.

    Das Bahnbetriebspersonal war angewiesen Gleise mit Publikumsverkehr zuvor vom übrigen Bahnverkehr abzutrennen und in den Ruhezustand zu versetzen und dieses entsprechend zu signalisieren.

    Gleise abzutrennen wurde durch das Stellen einer Weiche realisiert.
    Dadurch wurde das betreffende Gleis vom übrigen Bahnverkehr "isoliert" die betreffenden Einfahrsignale hatten nur noch die Ruhestellung anzuzeigen, ähnlich wie in Bayern mit der damals noch üblichen Grundstellungen einiger Signalbauarten mit nach unten zeigenden Flügel oder der temporären Verwendung eines ferngestellten Gleissperrschildes (rotes, rechteckiges Schild mit weißem Rand).

    Erst nach erfolgter Absicherung des Gleises, durfte das Publikum den Bahnsteig betreten, der Bahnhofsglocke kam diesbezüglich eine besondere Aufgabe zu.

    Zum Räumen des Bahnsteigs bis hinter die Bahnsteigsperren wurden ebenfalls Glockenzeichen verwendet oder ein Bediensteter mit Handglocke forderte das Publikum auf, den Bahnsteig zu verlassen.

    Um den Bahnverkehr effektiver zu gestalten rückte man von dieser Vorschrift in späteren Jahren ab.

    Die Rechtsprechung der Gerichte wurde per Gesetz abgeändert und die Verantwortung obliegt nun dem Publikum, Bahnsteige und Ladezonen auf eigene Gefahr zu betreten, wenn sie vor der Aufrufung des Zuges, den Bahnsteig betreten und/oder aufgestellte Hinweisschilder zur Gefahrenwarnung ignorieren oder mißachten.

    Zurück zum eigentlichen Thema.

    Beim eingleisigen Bahnverkehr wechseln sich, im Normalfall, Züge in den Fahrtrichtungen gegenseitig ab.

    Es gibt aber auch Ausnahmen dieser Regel, bei größeren Lücken im Fahrplan oder bei Störungen.

    Bei einem Abzweig gibt es aber auch einen "normalen" Wechsel zwischen Zugfahrten nach und aus den abzweigenden Richtungen.

    Zug 1 von A nach B
    Zug 2 von B nach A
    Zug 3 von A nach C
    Zug 4 von C nach A

    Danach wiederholt sich der Ablauf im Normalfall.

    In der Vergangenheit früherer Epochen gab es aber Zugfolgefahrten im verkürzten Abstand ohne Gegenzüge, für die Art des Bahnverkehrs mußten mehrere Stellwerke "durchgeschaltet" sein und durften nach der ersten Zugfahrt das Signal nicht wieder in Haltstellung bringen.
    An Hand der Kennfarbe angebrachter Flaggen oder Farbscheiben von Laternen der Nachtzeichen nach vorn und hinten am Zugschluß, wurde dem Stellwerker signalisiert ob ein "Sonderzug" in entgegengesetzter Richtung nachfolgt. Hierbei ist nicht die Gegenrichtung der bereits durch den vorangehenden Zug gemeint, sondern die normalerweise aber nicht stattfindende Zugfahrt der eigentlichen, drankommenden Fahrtgegenrichtung.
    Zu gut deutsch: es folgt ein oder es folgen mehrere Züge in gleicher Richtung nach, ohne daß ein Zug aus der Gegenrichtung kommt.
    Erst wenn am letzten Zug drei weiße Laternen nach vorn und die normale Schlußbeleuchtung erkennbar war, wurde wieder der Regelbetrieb mit Gegenzügen aufgenommen.

    Für die Zugbesatzungen bedeutete diese Betriebsart "Fahren auf Sicht" und mit besonderer Vorsicht, um nicht auf den vorausfahrenden Zug aufzulaufen und ihn zu rammen.

    Angewendet wurden solche Fahrten bei Militärzügen oder wenn eilige Frachten in großer Menge transportiert werden sollten.

    Für unsere Planung eines möglichen Fahrplans können wir aber von dieser Sondersituation Abstand nehmen.

    Das Thema insgesamt ist sehr interessant.

    Signaltechnisch ist es auch sehr interessant.

    LG Ingo
     
  2. lok527596

    lok527596 Vollbluteisenbahner Mitarbeiter

    Hallo Ingo

    Deine Zeichnungen sind in meinen Augen nur Abzweigstellen und haben mit Trennungsbahnhöfen nichts zu tun. In einem Bahnhof sind diese von Dir beschriebenen oder angedachten Zugkreuzungen möglich. Das Bild im Beitrag wird ein Trennungsbahnhof sein, könnte aber genauso gut eine Ausweichanschlußstelle sein.
     
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  3. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Stephan,

    In der Tat handelt der erste Teil meiner Ausführungen nur von möglichen Abzweigstellen und Möglichkeiten.

    Ich möchte mich aber erst einmal nur mit der Allgemeinen Theorie befassen, wie einzelne Abzweig Bahnhöfe letztendlich aussehen kommt alles noch, das Thema ist zu komplex, um meiner Ansicht nach in nur einem Beitrag abgehandelt zu werden. Aber auf die Mithilfe anderer Kolkegen bin ich dankbar, jede Hilfe wird dankend angenommen.
    Bitte schaue auch weiterhin über meine Beiträge und mach fachliche Ergänzungen, ich bin kein Eisenbahningenieur.

    LG Ingo
     
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  4. Atlanta

    Atlanta Renommiertes Mitglied

    Moin Kollegen,

    hier mal zwei Keilbahnhöfe, sie spiegeln nur schematisch die Personen- und Güterbereiche wieder um deren Lage zu verdeutlichen, haben aber keine Aussagekraft über tatsächlich vorhandene Gleisanlagen und können von Originalplänen erheblich abweichen.

    20200509_161726.jpg
    Bezüglich des Bf. Büchen:
    zu DDR Zeiten von 1949 bis 1990 war Bf. Büchen Grenzbahnhof, Gleis 1 am EG der Berliner Bahn wurde in Richtung Berlin nur eingleisig weitergeführt.
    Lokwechsel auf DR Loks fand in Büchen statt.
    Durch das Projekt Deutsche Einheit wurde die Berlin Hamburger Bahn wieder zweigleisig ausgebaut, Lückenschluß zwischen Büchen und Schwanheide.
    Ab Schwanheide, dem Grenzbahnhof in der DDR war elektrischer Bahnbetrieb auf einer zweigleisigen Bahnstrecke möglich.
    Seitens der BRD wurde die Elektrifizierung erst ab 1990 vollzogen.
    Heutzutage finden keine Zugbegegnungen auf der ehemaligen LBE Strecke in Richtung Lüneburg im Bf. Büchen statt, diese werden auf freier Strecke in Richtung Lüneburg und in der anderen Richtung zwischen Büchen und Mölln gemacht.
    Güterverkehr wurde zu Zeiten der LBE über Lübeck abgewickelt mit Anschluß an die Berlin Hamburger Bahn. Seit der Streckeneröffnung 1853 war eine Direktverbindung nach Hamburg nicht möglich.
    Erst 1864 konnte der Bau der Hamburger Bahn beginnen, die 1865, zunächst eingleisig, eröffnet wurde.

    Bezüglich des Bf. Bad Malente - Gremsmühlen:
    Regelspurbetrieb ab diesem Bahnhof bis Lütjenburg ist seit der Umspurung auf 600 mm nicht mehr möglich. Nach der Pleite des zwischenzeitlichen Betreibers historischer Feldbahnen, wird überlegt, die Bahnstrecke wieder auf Regelspur umzuspuren, wenn ein Kostenträger oder Betriebskonzept gefunden werden sollte.

    Beide Bahnhöfe sind aber interessante Keilbahnhöfe mit abzweigenden Bahnstrecken, somit auch eine Form von Trennungsbahnhöfen.

    LG Ingo
     

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